14. Dezember 2009 von Schwarzenbach
Während früher in jeder Bankfiliale Broschüren mit den volkswirtschaftlichen Daten der Schweiz auflagen, muss man heute die Parameter suchen. Und wenn man etwas findet, dann sind die Zahlen meistens innerhalb von Teilstatistiken verborgen, so dass selbst Ökonomen Mühe haben, sie dort heraus zu fischen.
Eigentlich hätten die Beamten gar keinen Anlass, die Zahlen zu verstecken. Das Bruttosozialprodukt steigt nach wie vor. Sogar im internationalen Vergleich brauchen wir uns nicht zu schämen. Warum das Volk aber immer weniger in der Tasche hat, liegt einzig und allein an einer leicht verständlichen Division: BIP/Kopf.
Es ist kein Geheimnis, dass die Schweiz wachstumsmässig (BIP/Kopf) zu den Schlusslichtern gehört. “Das ist die Folge davon, dass wir nicht in der EU sind”, erklären und die linken “Wirtschaftsexperten” fast mantrahaft. Die staatlichen Statistiker wollen es sogar mit der griechischen Methode versuchen.
“Die Nutten müssen ran” auch in der Schweiz
Unterlegt werden die volkswirtschaftlichen Zahlen der Schweiz beim Bundesamt für Statistik BFS mit Interpretationen, die auf “Fortschritte” in anderen Gebieten verweisen. Will man einigermassen verständliche Zahlen, muss man schon bei der OECD oder beim IWF nachschlagen. Selbst die Economiesuisse, der grösste Wirtschaftsverband der Schweiz, muss sich dort eindecken. Das heisst nicht, dass das BFS nicht auch interessante Untersuchungen vorlegen kann. So haben die Spezialisten dort nachgerechnet, dass die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau abnimmt – sehr wichtig!. Bei der Kriminalität konnten sie sogar dank “neuer Methoden” nachweisen, dass diese sinkt. (Wahrscheinlich wurden Statistiker aus der früheren DDR eingestellt).
Man spürt regelrecht, dass die Staatsökonomen intensivst mit der Frage beschäftigt sind, wie man “Die Nutten aktivieren” kann. So nennt man in der Branche den Versuch, wenn man Parameter mit subjektiven Faktoren beschönigen will.
Die Handelszeitung vermeldete unlängst:
Es brauche unbedingt ein Bündel von anderen Messgrössen, welche Aussagen über Aspekte wie Zufriedenheit, Umweltqualität, Verteilung oder soziopolitische Faktoren – also alle Aspekte, die gemeinsam das Wohlergehen oder das «Glück» ausmachten – erlauben, führt Brunetti aus.
Doch hier die (einfachen) Fakten
- Wohnbevölkerung
1991 lebten in der Schweiz 6,8 Mio. Menschen, heute sind es 7,7 Mio. - Werktätige Bevölkerung
1991 arbeiteten 3,7 Mio. Menschen, 2009 sind es knapp etwas über 4 Mio.
Zuerst fällt auf, dass die Bevölkerung zwar um 1 Mio. zugenommen hat, aber nur 300000 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Insofern muss man den linken Ökonomen Recht geben: für einige Mitmenschen, genau genommen sind es 600000 Personen, hat die Zufriedenheit damit sicherlich zugenommen. Auch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die “Verteilung der soziopolitischen Faktoren” (die Linken nennen es Glück) durchaus Fortschritte gemacht hat.
Gleichzeitig hat sich die ausländische Wohnbevölkerung von 1,1 Mio. auf 1,7 Mio. zugenommen. Damit wären die Beglückten gefunden.
Anders ausgedrückt: die 20 Jahre sozialistischer Einwanderungspolitik haben uns 600000 neue Müssiggänger bescheert.
Die Zahlen muss man etwas relativieren. Es ist natürlich nicht so, dass 600000 Ausländer direkt ins Sozialsystem eingewandert sind, auch wenn das die Statistik auf den ersten Blick suggeriert. Die Zunahme der nichterwerbstätigen Wohnbevölkerung um 600000 Personen besteht nicht ausschliesslich aus Ausländern. Oft wir ein Umweg über die Einbürgerung gefahren.
Fakt ist, dass in dieser Periode rund 500000 Ausländer eingebürgert wurden (Schweizer mit Migrationshintergrund). Die Zahl der Autochonen betrug 1991 etwa 5,5 Mio. und wird seither wohl eher abgenommen haben. Diese sind übrigens in den seltesten Fällen sozialhilfeabhängig.
Der Einwand, die Bevölkerung werde älter, was die Zunahme erklärt, kann man auch nicht gelten lassen. Dieser Altersquotient hat sich in den letzten Jahren kaum verändert.
Fazit
Das schwache Wachstum des BIP/Kopf im Vergleich zum Ausland ist nicht die Folge unserer Nichtmitgliedschaft in der EU. Im Gegenteil: wären die Türen schon vorher geöffnet worden, wäre es jetzt noch niedriger. Wer Eins und Eins zusammenzählen kann, sieht sofort, dass die wir 600000 zusätzliche Menschen versorgen müssen, die nicht am Wirtschaftsprozess teilnehmen. Deshalb ist das BIP/Kopf-Wachstum so gering.
(Hinweis: Die Zahlen berücksichtigen nicht die Asylanten, Kurzaufenthalter, Touristen, Botschaftspersonal, Personen auf der Durchreise, Gefängnisinsassen.)
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