27. November 2009 von David Frankfurter
Woher kommt die plötzliche Anti-Islam-Bewegung? Im ersten Teil haben wir beschrieben, wie eine Bewegung entsteht. Das die AIM eine ist, steht ausser Zweifel. Für den Mainstream ist sie bloss eine weitere Anti-Einwanderungs-Bewegung, die irgendwann “vergeht”. Doch die AIM unterscheidet sich deutlich.
AIM gab es schon immer
Historiker würden sagen, die erste Anti-Islam-Bewegung seien die Kreuzzüge der katholischen Kirche gewesen. Wenn Institutionen, Kirchen, Kalifate, Königreiche zum heiligen Kriegen aufrufen, dann mag das den Teilnehmern zwar als religiöse Bewegung verkauft werden, dahinter stecken meistens aber wesentliche weltlichere Absichten, wie der Ausbau der Macht oder ganz einfach nur territoriale Expansion. Wir möchten diesen Aspekt hier nicht besprechen.
Vielmehr geht es um die AIM als Bürgerbewegung in der politischen Landschaft. Anti-Islamic-Movements gibt es auf der ganzen Welt, auch in Indien, China und in Ländern Südostasiens. Auch in der Geschichte gab es immer wieder AIM aus der Mitte der Bevölkerung, die sogar zu Befreiungskriegen führten, wie z.B. der Aufstand der Griechen gegen die Türken. Beschränken wir uns jedoch auf die AIM als Bewegung in westlichen Demokratien.
Die ersten Ansätze finden sich in den USA, als die Neger massenhaft aus Protest zur Nation of Islam konvertierten. Die Weissen reagierten mit Ablehnung auf diese rassistische Bewegung. Das Phänomen gelangte jedoch nie nach Europa, obwohl zu dieser Zeit bereits ein Einwanderung der Türken begann.
Der Auslöser des AIM
Bei der ersten Einwanderungswelle handelte es sich nicht ausschliesslich um Musulmane, sondern oft auch um türkische Christen unterschiedlichster Richtung, die die Gelegenheit nutzen, sich anderswo eine Existenz aufzubauen.Sie kamen auch nicht ungerufen nach Europa. Unsere Industrie brauchte sie als Arbeitskräfte. Sie waren eher unpolitisch – die arabische Welt war damals noch dominiert vom nationalen Gedanken Atatürks und Nassers, welcher vor allem in der Bildungselite und in den Städten eine Rolle spielten.
Der grosse Teil der Bevölkerung lebte in diesen Agrarstaaten noch auf dem Land. Dort herrschte der Islam, eine weltliche Macht hatten sie nie wirklich erlebt. Diese Menschen machten sich auch gar keine Hoffnung auf eine Auswanderung, weil sie schlicht nicht über eine Qualifikation verfügten. Das änderte sich, als die Linken in Europa die Einwanderung über das Asylstatut ermöglichte. Nun kamen nicht benötigte Arbeitskräfte (vor allem ungebildete und unqualifizierte Muslime), deren Zukunft als Sozialhilfeempfänger vorgezeichnet war. Die erste solche Asylantengruppe waren in der Deutschschweiz die (verfolgten?) Kurden.
Die Anti-Einwanderungsbewegungen der 70ziger
Die Mainstream-Medien ordnen die AIM als neue Variante von Anti-Einwanderungs-Bewegung ein, die es irgendwie auszusitzen gilt. Und tatsächlich, auch der AIM ist eine solche Bewegung – scheinbar …
In der Schweiz bekämpfte James Schwarzenbach die Einwanderung aus ganz Europa. Die Lega wollte keine Italiener im Tessin und die Lega Nord keine Süditaliener in Norditalien. Und die Basken keine Nicht-Basken, die Portugiesen keine Einwanderer aus den Kolonien, die Franzosen keine Schwarzfüsse, die Engländer keine Pakis und die Belgier keine aus Osttimor und letztlich lebte sogar die CSU davon, dass man die Preussen nicht mochte. Originell waren diese Bewegungen nicht, es gab sie in der Geschichte schon immer. Integrierten sich die Einwanderer, baute sich der Druck wieder ab und sie versanken in der Bedeutungslosigkeit (ausser in Frankreich).
Die AIM ist anders
Die Anti-Islam-Bewegung unterscheidet sich jedoch in wesentlichen Elementen fundamental von den Anti-Einwanderungsbewegungen:
- Religiöse Homogenität
Die Problemgruppe, gegen die sich das AIM wendet, ist nicht national definiert, sondern religiös. - Internationalität
Die Anti-Islam-Bewegung war von Beginn weg nicht national, sondern international. Die Probleme sind grundsätzlich in allen Ländern Europas vergleichbar. - Keine Integration der Eingewanderten
Die Einwanderer integrieren sich nicht, sondern ghettoisieren zunehmend. Das ist nicht Folge mangelnder Chancen im Gastlandes, sondern vom Islam so vorgeschrieben. - Ghettoisierung
Die Ghettoisierung wird durch Sozialhilfe und Integrationsprogramme massiv verstärkt und stabilisiert. Es entstehen eigene Subkulturen, die sogar Ansprüche auf eigene Gerichtsbarkeit stellen. - Sozialindustrie
Um die Einwanderer hat sich ein eigentlicher parastaatlicher Dienstleistungssektor gebildet, der auf den Zustrom angewiesen ist. Dieser Sektor wiederum bildet eine bedeutende Wählerschaft linker Parteien. Die früheren Einwanderungsbewegungen hatte keine solchen Fürsprecher. Meist sprachen lediglich wirtschaftliche Interessen für sie. - Staatliche Stigmatisierung
Frühere Anti-Einwanderungsbewegungen wurden nicht juristisch bekämpft. Der Staat bezog kaum Position. Bei der AIM ist das anders. Der Staat muss millionenteuere Werbekampagnen für die Integration lancieren, Milliarden für wirkungslose Integrationsmassnahmen ausgeben und die Gegner dann erst noch juristisch stigmatisieren. Der Staat ist Partei. - Horrende Kosten
Die Integration verschlingt riesige Geldsummen. Dummerweise kommt die Bewegung genau in einem Moment, in dem die Wirtschaft nicht weiter wächst und der Staat seinen Anteil kaum noch erhöhen kann. Der daraus folgende Leistungsabbau wird die Problematik verstärken. - Verlust der Kontrolle
Selbst wenn der Staat wollte, könnte er die Einwanderung nicht mehr begrenzen. Internationales Recht und zwischenstaatliche Abkommen haben diese Mechanismen vollkommen ausgehebelt. Faktisch sind alle Dämme gebrochen. - Objektive Bedrohung
Für Europa und die USA ist der Islam eine objektive Gefahr, die der Bürger tagtäglich an den Bildschirmen mitverfolgen kann. - Kriminalität
Die früheren Einwanderungsbewegungen zeichneten sich nicht durch eine höhere Kriminalität aus. Die Muslime hingegen haben schon fast das Monopol in diesem Sektor. Die Bevölkerung hat Angst. Der Staat versucht, das Problem mit statistischen Methoden zu beheben und die Medien relativeren es durch “Selbstregulierung”.
Wer also glaubt, es handle sich bei der AIM um einen weiteren regionalen Trachtenverein gegen die Einwanderung, verkennt die Lage.
Die Rahmenbedingungen sind komplett anders als vor 30 Jahren, als noch kaum Ausländer in Europa lebten, das Sozialwesen keinen besonderen Anreiz bot und die Wirtschaft boomte.
In Wirklichkeit steht der Westen vor einer kaum lösbaren Herausforderung.
Wie sich die Anti-Islam-Bewegung politisch manifestiert, lesen Sie im dritten Teil.
Serie AIM
- Teil 1: Der Beginn einer neuen Bewegung
- Teil 2: Die Wurzeln des AIM
- Teil 3: AIM als politische Kraft
- Teil 4: Typologie der Islamgegner
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