19. Mai 2009 von Gastbeitrag
Bis vor acht Jahren lief alles bestens in der Welttheologie der Opfer. Zuoberst auf der Hit-Liste stand der Holocaust. Er bezeichnet eine besondere Kategorie von Opfern, welche die Millionen von Russen, Deutschen, Amerikanern, Japanern, Chinesen und alle andern, Zivil- und Militärpersonen fast zur Anekdote macht, die während des Weltkonflikts massakriert wurden, der mit einem kulturell-finanziellen Modellsieg anglo-amerikanischer Prägung endete.
Der Titel des Hit-Siegers, der mit keinem andern vergleichbar ist (weit dahinter folgen die Kolonial- und zivilen Kriege, der Gulag, die sozialen Experimente der Roten Khmer oder eines Mao, die Deportation von Sklaven als Arbeitskräfte, was man heute Besiedelungseinwanderung oder Asylrecht nennt), ist bis heute unbestritten, unantastbar geblieben und hat viel dazu beigetragen, alle Gegner oder Kritiker der zionistischen Politik des Staates Israel oder der Einmischungskriege des amerikanischen Reiches des Guten in Misskredit zu bringen.
Hinzu kommt die Überheblichkeit, jede historische oder kritische Vision zu verbieten, jede freie Meinungsäusserung, jedes freie Denken, das anders ist als das der heutigen religiösen Hierarchie. Verboten auch jede Versöhnung, oder besser gesagt Amnestie, jede nüchterne Revision der Geschichte. Doch die Praxis der Kriminalisierung jeder Art von Kritik, des lukrativen Geschäfts der Wiedergutmachung, der automatisch an die nächsten Generationen weiter gegebenen Reue, des obligatorischen und exklusiven Erinnerns hat andere Opfer auf Ideen gebracht.
Die Nachkommen der Afrikaner, die gegen ihren Willen nach Amerika verfrachtet wurden, und jene, die sich als Opfer der europäischen Kolonialisierung oder der Apartheid fühlen, stellen jetzt ebenso legitime und unkritisierbare Forderungen, auch wenn sie des „Rassismus“ verdächtigt werden, dem Verbrechen des Denkens par excellence.
Der Islam mit seiner wachsenden Einflussnahme, der Schock der Zivilisationen, hat wohl verstanden, was für eine wirksame ideologische Waffe die Anpassung des kleinen antidiskriminierenden und antirassistischen Katechismus an die Islamkritik bedeutet. Die Islamophobie, so heisst das neue inakzeptable Verbrechen gegen den Geist, die Besiedelungseinwanderung und die neue globale Kolonialisierung. Die Kritik an der untergeordneten Stellung der Frau im Islam, an dessen Verweigerung, Kirche und Staat zu trennen, am Unvermögen dieser Religion, den Text vom Geist des Textes zu trennen ist eine Form von Rassismus, der in den Bereich des Verbrechens des Denkens oder der Psychopathologie fällt. Die kulturellen Archaismen, die Tabus bei der Ernährung, die Grausamkeit gegenüber gewissen Tieren, die Steinigung werden zu unterschiedlichen kulturellen Glaubenshaltungen, die man respektieren und nicht kritisieren sollte, um nicht als „Rassist“ exkommuniziert zu werden.
Von jetzt an spielt der Wettkampf zwischen den realen und mythischen Opfern um die besten Plätze der Hit-Parade der moralischen Überlegenheit, der finanziellen Wiedergutmachungen, des sozialen Aufstiegs, der durch positive Diskriminierung beschleunigt wird, des kämpferischen und fordernden Kommunitarismus. Störend bei der antirassistischen Haltung ist, dass sie immer einseitig ist und dazu auffordert, den Andern als liebenswürdig und positiv zu betrachten, um nicht als Verbrecher des Denkens strafrechtliche und soziale Verurteilung zu riskieren. Das Christentum sagt, und das macht ohne jeden Zweifel seine herausragende Dimension aus, man solle seinen Nächsten lieben wie sich selbst. Das entspricht einer Geisteshaltung, die auf Freiwilligkeit beruht, grosszügig, respektvoll und nicht aufgezwungen ist und die kein Inquisitionsgericht anruft, das die Menschheit zu dauernder Exkommunikation verurteilt, wenn diese Haltung nicht systematisch umgesetzt wird. Die antirassistische Praxis ist nicht universell, sie mündet nicht in Gleichheit und Versöhnung, sondern in eine aggressive und pedantische moralische Hierarchie im exklusiven Dienst von Minderheiten, die sich auf Prinzipien der Inquisition, der Gedankenpolizei, der Verteufelung des Feindes und auf einen endlosen, im hysterischem Erinnern eingravierten Hass beruft.
In Durban griffen die aufsteigenden Mächte (Afrika, Islam) nicht nur, wie die classe politique weltweit, die ehemaligen Kolonialmächte oder die katholische Kirche (in ständiger und obligatorischer Reumütigkeit) an. Diesmal attackierten sie einen Kolonialstaat mit seiner paranoischen und aggressiven Sensibilität, der die Beschlüsse der UNO nicht respektiert, illegal Nuklearwaffen besitzt, der sich der totalen Strafbefreiung, des Schutzes und des Rechts auf Einmischung erfreut, der palästinensische Völker deportier, eigene Bürger diskriminiert, seine Gegner hinrichtet, nachdem er sie verteufelt und entmenschlicht hat. Und kürzlich hat er in Gaza in einer assymetrischen Schlacht mehr als tausend Zivilpersonen massakriert, und das bloss aus innenpolitischer Wahltaktik. Genug der Straffreiheit, des Stillschweigens, des Kritikverbots. Genug des „macht, was ich sage, aber nicht, was ich mache“. Dasselbe gilt für arabische Länder, die antikolonialistische Lektionen erteilen und ihre einstige (oder heutige) Rolle verschweigen bei der Versklavung der Schwarzen oder den neokolonialistischen Kriegen von heute. Die Gleichen, die von Italien für seine frühere Politik entschädigt werden.
Wollen, haben zugeschaut, wie ihre Würdenträger ihr maghrebinisches Personal wie Sklaven behandelten. Gegen erkleckliche Lösegelder werden europäische, der Hexerei beschuldigte Staatsbürger, als Geiseln festgehalten.
Durban I hat die Büchse der Pandora mit den Entgleisungen des Antirassismus und seinen totalitären Auswüchsen, seinen Schauprozessen, seiner einseitigen kleinlichen Logik geöffnet. Diese absurde und surrealistische Logik muss ein Ende haben, und die Versuche der einzelnen Gruppen, andern ihre Hierarchie aufzuzwingen, muss vor der Mauer der Vernunft Halt machen. Bei jedem Antirassismusspielchen wird man immer ein neues Opfer finden, das noch mehr Opfer ist, oder das Opfer wird selber rassistisch (wie die Schlange, die sich in den Schwanz beisst). Denn es ist die Absicht, die zählt, und nur wer sich als Rassismus-Opfer fühlt hat das exklusive Recht, aus seiner subjektiven Sicht zu definieren, wer ihn diskriminiert. Der Antirassist ist immer der Rassist gegenüber einem andern bei diesem gegenseitigen Überbieten, das die menschlichen Beziehungen kriminalisiert.
Selbst wenn Frau Calmy-Reys tiefere Gründe nicht die richtigen sind, wäre es nur recht und billig, dass die Schweiz in Genf mitmacht und sich von den Diktaten der Politik der USA, Israels und ihrer europäischen Verbündeten distanziert. Nachdem unser Land in Sachen Bankgeheimnis auf schändliche Weise herabgewürdigt und vom Reich des Guten zum Sündenbock gemacht wurde, ist es richtig, dass die politischen Behörden in Genf mit Herrn Ahmadinejad zusammentreffen und im Namen der Neutralität alle andern Opfer zu Wort kommen lassen, und das auf derselben Stufe wie die Obrigkeiten, die an moralischen Privilegien festhalten, die sie nicht verdienen. Die Amerikaner, die Israeli, die autoritären Drittweltstaaten, die Desinformationslabors sind nicht berechtigt, Lektionen über „ihre“ Vision der Menschenrechte zu erteilen. Sollen sie sich nur lächerlich machen mit ihrem Wettstreit um moralische Vorherrschaft. Die Welt muss multipolar, offen, von Gegenseitigkeit regiert werden, und alle Opfer sind an sich ehrbar und gleichwertig. Es kann in diesem Bereich von Rechts wegen keinen Anspruch auf eine Wertehierarchie geben.
Wagen wir es, die Schlacht des Kampfes gegen die Diskriminierung zu eröffnen: An Überraschungen wird es nicht fehlen!
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Mal ein guter Beitrag. Vermutlich gehört dieser Politiker auch nicht der SP an, denn dies würde man sofort am Textinhalt erkennen.
NR Baettig gehört der UDC (SVP) an. Seine Wahl – im tief rot-schwarzen Jura – anno 2007 war wohl eine der grössten politischen Ueberraschungen seit 1945.
Recht hat er! Wie oft diskriminieren genau die Gutmenschen, die andere lautstark der Diskriminierung von wem auch immer beschuldigen, selbst in höchster Form. Sei es nur, dass diejenigen, die es wagen, die Wahrheit zu sagen, mundtot gemacht werden. Beispiele gibt es nicht wenige.
Kann es ein Verbrechen sein, Fragen zu stellen? Wenn Ihnen in bezug auf den Holocaust Zweifel aufkommen – können diese Zweifel anders als durch Fragen ausgeräumt werden?
Warum regen sich manche Leute und Gruppierungen über die Skeptiker auf, die zum Holocaust kritische Fragen stellen? Warum werden diese Menschen, die sich selbst als Revisionisten bezeichnen, als „Holocaust-Leugner” diffamiert?
Es ist selbstverständlich, daß man geschichtliche Themen debattiert, aber beim Holocaust ist das nicht erlaubt – eine einflußreiche Lobby hat hier eine Ausnahme durchgesetzt. Dabei sollte doch jedermann ermuntert werden, die Holocaust-Geschichte ebenso kritisch zu untersuchen, wie dies bei anderen geschichtlichen Ereignissen gang und gäbe ist.
Das ist kein extremer oder radikaler Standpunkt. Die kritische Hinterfragung hat im Abendland eine Jahrtausende alte Tradition, die durch griechische Philosophen wie Sokrates begründet und im Rahmen der Aufklärung vor ein paar Jahrhunderten wieder erneuert wurde.
Auch ich lehne den Antirassismus-Schwachsinn strikt ab.
ABER: Was Nationalrat Dominique Baettig schreibt, das geht weit über sachliche Kritik hinaus. Das ist NS-faschistische Hetze gegen Israel! So jemand sollte aus einer demokratischen Partei ausgeschlossen werden!
Wer so was schreibt, der ist wirklich ein NAZI:
SVP: Neuer Verbündeter von Hamas und Iran?
Sehr gute Beschreibung der Machtfunktionalität
in der heutigen Weltpolitik.
Im grunde geht es diesen Damen und Herren
nicht wirklich um Minderheitenschutz oder
Schutz vor Rassismus.
Sondern um Machterhaltung über ein Dogma das man
in seinen Ansprüchen an Moral und
Ethik getrost als Ersatzreligion für den schwindenden
Glauben an Himmel und Hölle Sehen kann.
Baettig ist Psychiater …… und SVP-ler!
An anderer Stelle habt ihr über alle gelästert, die gegen Israel waren oder mit Ahmadinejad zusammentreffen.
Naja, ist halt auch schon ein paar Tage her.
Nur Mastro bleibt sich treu!
“Diesmal attackierten sie einen Kolonialstaat mit seiner paranoischen und aggressiven Sensibilität, der die Beschlüsse der UNO nicht respektiert, illegal Nuklearwaffen besitzt, der sich der totalen Strafbefreiung, des Schutzes und des Rechts auf Einmischung erfreut, der palästinensische Völker deportier, eigene Bürger diskriminiert, seine Gegner hinrichtet, nachdem er sie verteufelt und entmenschlicht hat. Und kürzlich hat er in Gaza in einer assymetrischen Schlacht mehr als tausend Zivilpersonen massakriert, und das bloss aus innenpolitischer Wahltaktik. Genug der Straffreiheit, des Stillschweigens, des Kritikverbots.”
diese bemerkungen sind schlicht gaga.
- die friedensbewegung aus hamasstan hat israel mit raketen eingedeckt und trotz aller warnungen weitergemacht… aber das scheint diesem typen ja egal zu sein… auch ist es ihm egal, das bevor die mauer gebaut wurde, dass die israelis regelmässig von einweg friedensaktivisten in die luft gesprengt wurden…mag sein, das israel illegal an atomwaffen gelangt ist, aber es ist heute das einzige mittel, das verhindert, dass dieser staat nicht von der landkarte gewischt wird…
übrigens israel hat sich aus dem hamasstreifen zurückgezogen, wieso führt dann die hamas weiter krieg, jetzt wo sie ein eigenes gebiet haben? und es soll mir keiner kommen, mit dem unfug israel blockiert die grenze, weil es gibt da noch den bruderstaat ägypten und dort wird kaum kritik laut…
man sollte diesen vogel zur kur an die grenze zum hamasstan schicken, wo er sich des friedensfeuerwerkes erfreuen kann. vielleicht ändert das seine schrägen ansichten, vielleicht auch nicht…
…wer hat in den letzten 8 jahren den usa ständig ans bein gepinkelt? sich wie die moralpolizei aufgeführt? …ein grosser teil der schweiz…
hat dieser blindgänger wirklich das gefühl, das sowas drüben nicht wahrgenommen wurde und jetzt die retourkutsche erfolgt?
während der regierung bush hatten wir nie solchen ärger wie unter clinton… aber jetzt, wo st. obama am ruder sitzt… tja da geht es halt wieder los..
aber auch das scheint diesem schmalspurpolitiker entgangen zu sein.
mir tun alle opfer gleich leid,. ich unterscheide nicht, wer von wem wie abgemurkst wurde. was mich bewegt, ist die tatsache, das es überhaupt geschieht.
den arabern und anderen sei folgende bemerkung gewidmet:
“Tu quoque”
philosophisches Geschreibsel mag ich grundsätzlich nicht, weil immer eine Doppelbödigkeit drin steckt. Der Zynismus ist der: Abschlachten ist ok, solange es einen nicht selbst trifft, wer am meisten geschlachtet hat, wird zur Siegerehrung eingeladen, die Beleger der letzten Plätze werden gleich verurteilt.
Lest mal den Beitrag von Hr. Mörgeli in der Weltwoche Nr. 21 vom 20. Mai, da zieht er über die CVP her zum Thema unnötige Behandlungskosten am Lebensende.
Ohne zu sagen, dass auch er gar nicht einvertstanden ist, viel Geld für Unheilbare auszugeben, das aber anderen ins maul schiebt.
Die SVP lästert lieber über Couchepin, dem sie zur Glanzwahl verholfen haben.
@schweinsleber
“während der regierung bush hatten wir nie solchen ärger wie unter clinton….”
Da hast du recht, nur hat Bush als gutsituierter Republikaner das gleiche Interesse wie die Steuerbetrüger, und zusammen mit der Steuerreduzierung für die Reichen wurde der Schuldenberg bis zur Unbesteigbarkeit gehäuft.
Die Arbeitslosigkeit sank zwar, aber die Armut stieg, weil mit nur einem Job niemand leben konnte, und das Gesundeheitswesen steht am Abgrund.
Wi nachhaltig dass diese Politik war, sehen wir jetzt.
“übrigens israel hat sich aus dem hamasstreifen zurückgezogen, wieso führt dann die hamas weiter krieg, jetzt wo sie ein eigenes gebiet haben? …”
Falsch: während dem Waffenstillstand hätten sich die Israelis zurückziehen sollen und den Materialfluss zulassen, haben sie aber nicht. Dannfingen die Hamas wieder an, Raketen zu werfen, die aber nie trafen.
Den Gegenschlag kennen wir. Und wie nachhaltig dies sein wird, sehen wir die nächsten Jahre.
Lieber maurus, den Schwachsinn den Du betreffend Bush erzählst, mag ich nicnt mal mehr kommentieren. Du bist wirklich ein grosser Wirtschaftskenner. Zum Gazastreifen: Mal abgesehen davon, dass sich Israel schon lange aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat (inklusive aller Siedlungen), dass die Hamas vor, während und nach dem Rückzug Raketen abschoss (nach dem Rückzug übrigens noch mehr), dass es die Mauer zum Schutz vor wiederholten Terroranlagen baute, wäre ein Blick auf eine Landkarte für unseren maurus vielleicht nicht das Dümmste. Und was sehen wir darauf? Uuii, der Gazastreifen hat ja auch eine Grenze zu Aegypten! Und diese Grenze ist auch zu! Holla die Waldfee, wieso haben jetzt die Guten von der Hamas Aegypten nicht beschossen? Und welchen “Materialfluss” meinst Du? Also die Milliarden der Amerikaner und der EU kamen bei den Friedensfreunden an (zumindest bei einigen). Hilfslieferungen meistens auch, wenn sie die Hamas grad mal nicht klaute, um eigene Leute zu versorgen und den Rest auf dem Schwarzmarkt zu verticken. An den Waffenlieferungen hat halt Israel etwas weniger Freude.
Natürlich haben die Raketen der Hamas (wie die ihrer Freunde, der Hisbollah) nie getroffen. Die toten Israelis haben sich einfach geirrt. Sind wahrscheinlich alle an Antibiotikaresistenzen gestorben.
schön dass du zu Bush nichts zu sagen hast. Vor lauter Schuldenberg siehst du wohl nichts mehr.
Lieber maurus, dass der Messias (die Barracke) in seinen ersten hundert Tagen als Präsidentendarsteller die Verschuldung von Bush bereits getoppt hat, ist Dir als Wirtschaftsexperten natürlich entgangen. Zu Deinen Israel-Ergüssen fällt Dir anscheinend ziemlich lautstark nix mehr ein.
dein Gedächtnis ist gerade mal flöten gegangen? Dass die Finanzkrise nicht barrackanisches Verschulden ist, ist wohl kein Geheimnis. Dass der Schuldenberg bei jedem Republikaner wächst, bei jedem Demokraten bröckelt, ist leider schon Tatsache.
Zu Israel ist nichts hinzuzufügen. Würde uns die USA unterstützen, wären der Freistaat Bayern, Südtirol und Norditalien längst als neue Kantone annektiert.
Israel hatte leider das Pech, dass der Zustrom das Fassungsvermögen bald übersteigt, sehr zum Wohle der Elite, die das für ihre Machtgelüste ausnützen.