4. Mai 2009 von David Frankfurter
Entscheidende Verantwortung an der Finanzkrise tragen die Ratingagenturen. Sie stuften noch am Vorabend des Kollapses Lehmann Brothers mit einem A-Rating ein. Die Anleger vertrauten darauf und kauften bis zum Schluss wertlose Papiere. Heute stellen wir uns aber die Frage, warum Standard&Poor’s, Moody’s oder Fitch derartige Falschbeurteilungen erbringen konnten und können(!), ohne abgestraft zu werden. Das Geschäft der Ratingagenturen läuft nach wie vor auf vollen Touren.
Das liegt am System: der Auftraggeber, der beurteilte Kandidat also, zahlt die Beurteilung gleich selbst. Und wer gibt schon einem Institut Geld, wenn man es bei einem anderen besser haben könnte? Faktisch: die Beurteilungen sind nicht mehr als Gefälligkeitsgutachten ohne allzuviel Wert.
Tipp aus Amerika
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- Auf keinen Fall die Wahrheit!
Man könnte nun meinen, die Ratingagenturen würden nun nach dem Debakel die Ratings anpassen und herunterstufen. Weit gefehlt, nur dass nicht! Dahinter steckt nämlich genau das, was unser Bundesrat als Stabilitätskriterium für die Banken sieht: Basel II . Basel II funktioniert so:
Kauft eine Bank ein Wertpapier mit einem AAA-Rating, so muss es lediglich 0,56% an Eigenkapital an Sicherheit nachweisen. Kauft es hingegen ein als “B” eingestuftes Papier, sind bereits 20% an Eigenkapital notwendig, um das Risiko zu backupen.
Wenn nun also die Ratingagenturen die Papiere herunterstufen würden, würde das ein Massaker unter den Banken auslösen. Und so halten unsere Pensionskassen weiterhin Müllpapiere in ihrem Portofoglio und die Banken empfehlen ihren Kunden weiterhin toxisches Zeugs.
Der Steuerzahler zahlt die Zeche
Nun begreift man auch, wie unsere Nationalbank über Nacht zur grössten Sondermülldeponie neben Kölliken wurde: die UBS hatte sich so vollgepumpt mit Mist, dass sie Konkurs gegangen wäre, wenn sie ihr Dreckszeugs nicht hätte auslagern können. Beim Steuerzahler versteht sich.
Der Schweizer Franken wird in den nächsten Zeit mehrfach abgewertet, um die Papiere Stück für Stück abzuschreiben. Der Konsument zahlt dann einfach mehr für Importprodukte – doch wer denkt dabei schon an die Banken.
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Das erklärt auch, warum die Regierungen so viel Geld in die Banken hineinpumpten. Wären diese gefloppt, wäre das Land selbst heruntergestuft worden und hätte kaum mehr Kredite bekommen, bzw. hätte die alten Kredite nicht mehr verlängern können oder dann nur zu Konditionen, die der Regierung selbst jede Handlungsfähigkeit genommen hätte.
Ausserdem: Blocher irrt! Selbst wenn die UBS eine Provinzbank gewesen wäre, hätte man sie stützen müssen. Auch eine kleine Bank kann ein Dominoeffekt auslösen, den man unbedingt verhindern muss.
Dieser Beitrag macht vieles zur Finanzkrise wesentlich klarer. Danke David.
Zu den Pensionskasse und anderen institutionellen Anleger. Bisher haben die nur die Börsenabschreibern (zum Teil) bekanntgegeben und sind jetzt schon unterdeckt. Wenn man dann noch das Portofoglio an sich anschauen und dort den ganzen Mist herauspoolen würde, müssten sich jetzt schon viele ernsthafte Gedanken um ihre Pension machen. Aber über das schweigt man vorerst noch eisern.
Ich schlage die Umbenennung vor zu “Standard & Poverty”
Der Standard sind die Banken und Versicherungen, das Risiko und Armut tragen die Kunden. Als Sparer könnte man sich bald überlegen ob statt man eine Geldanlage kauft doch nicht gleich das Geld im Ofen verbrennen sollte, dann spart man sich auch die Vermögens, Einkommenssteuer und allfällige Forderungen aus Verpflichtungen.
Fazit: Die Linken sind schuld.
@Bürgermeister
Am sichersten sind tatsächlich Realwerte. Ein Auto oder ein Haus hat immer eine Funktion auch wenn es wenig wert ist. Am besten wäre ein Campingwagen. Dann kann einem nichts passieren, ausser dieser wird gestohlen. Leider kann man die Dinger im Winter nicht heizen.
@maurus
Sicher haben die linken schuld.
@maurus
Beschaff Dir doch endlich Mal ein Avantar, wie die anderen auch. Das ist das Bildli rechts vom Kommentar.
Aus ökonomischer Sicht gibt es nur einen Hauptschuldigen, den Staat. Er hat für schlecht regulierte/konkurrenzlose Banken gesorgt sowie für den Wildwuchs bei Ratingagenturen und letztlich auch für zu billiges Geld. Leider wird das heute falsch diskutiert und Liberale erhalten die ganze Schuld zugewiesen. Dabei wäre der reine Markt das wirlich Moralische; verkaufen kann nur, wer auf andere rücksicht nimmt.
Alle reden von toxischen Papieren, von Ramschpapieren etc. etc., habe aber nie so ein Papierchen gesehen! Man müsste sie eigentlich “Geisterpapiere” nennen!
Was sind sie genau? Wo liegen sie überhaupt? Gibt es sie wirklich physisch oder existieren sie nur virtuell? Was zum Teufel hat die National Bank da eigentlich übernommen? Etwa ein paar Millionen wertlose bits?
@Bürgermeister
sagte ich doch. Und es wird auch nicht wahr, wenn du nachäffst.
@Redaktion
zu meiner Schande muss ich gestehen, wie ich zum “Avantar” komme …
@Dr.
Sei froh, dass du sie noch nicht gesehen hast, sonst würdest du dein geld wegschwimmen sehen. Als Dr. sind deine Fragen ziemlich peinlich.
interessanter Artikel.
Könnte in der Zukunft nicht ein “unabhängiges” Computerprogramm diese Ratings durchführen?
das von einem unabhängigen Progrmmierer erstellt werden müsste ….
Was haben wir doch alles unabhängige Stellen: Psychologen, Parlamentarier, Richter, Politiker, Bundesräte ….
Die Praxis zeigt doch, dass sich alle während der Laufbahn auf höheres vorbereiten: z.B. die Bundesräte auf Verwaltungsratsmandate.
@maurus
http://en.gravatar.com/
Gilt auch für die Anderen, die noch keines haben. Man kann was erfinden, man kann auch sein eigenes Photo nehmen und verfremden. Jeder kann es machen wie er es will.
@Elminister
Das Rating basiert auf den Daten, die eine Firma liefert verbunden mit der Marktentwicklung. Das Programm ist nur so gut, wie die Daten die es erhält.
Es gibt allerdings kleinere Ratingagenturen, die mit anderen Methoden arbeiten. Nur auf die hört keiner.
@Dr.Liffsey
Natürlich hat die Nationalbank da ziemlich viel Dreck zusammengekauft. Diese 60 Mrd. sind faktisch abgeschrieben.
Ursache der Krise:
http://www.winkelried.info/200.....der-krise/
Fakt ist, dass die Staaten bei Kreditinstituten Schulden haben. Deutschland steht mit ca. 34% bei diesen Instituten in der Kreide. Also hakt eine Krähe der anderen kein Auge aus.
Ein Rating ist nur eine Kondesation von verschiedenen Zahlen. Nicht sehr vertrauenserweckend ist, wenn nicht offengelegt wird, wie kondensiert wird. Daher wäre ein Open-Source Algorithmus sehr hilfreich und vertrauenserweckend.
Das heutige Rating vergeben scheint vor allem abhängig von den Zahlungen der auftraggebenden Firmen (Principle Agent Problem). Dass solche undurchsichtige Ratings sogar in Gesetze etc. eingeflossen sind ist eine Schande, welche baldmöglichst korrigiert werden sollte.
Als wichtigster Grundsatz müsste zumindest gelten, dass die Bonität von Derivativen nicht besser sein kann, als der gewichte Durchschnitt deren Basiswerte.
Als zweiter Grundsatz müsste immer mit Spannen rechnen, da man nicht alle Bonitäten gleich genau angeben kann. Dabei sollte immer die schlechtere Grenze für das Rating übernommen werden. Firmen, die dann genauer Informieren, können somit zu einer schärferen und besseren Bonität kommen.
Die Schweiz hätte mit einem sauberen, vertrauenserweckenden Rating enorme Chancen im Finanzmarkt sich zu entwickeln.
@R.B.
So ein Open Source Rating wäre sicherlich eine tolle Sache, doch erhält die Ratingagentur Infos, die nicht öffentlich sind. Somit ist das nur teilweise machbar.
Allerdings sollte sich mal eine UNI hinter so was klemmen. Doch die machen wohl lieber Antirassismusstudien.
@Redaktion
Es ist schon richtig, dass nicht alle Infos veröffentlicht werden dürfen. Wenn aber die Berechnugsregeln Open Source sind, so kann im Nachhinein nachvollzogen werden, wer betrogen hat und diesen Akteur auch dafür belangen.
Bei börsenkotierten Firmen sollte es zudem möglich sein aufgrund von nicht kosmetisch aufbereiteten Hardfacts ein Rating zu erstellen, da der Innovationsfluss kontinuierlich sein sollte und sich somit ausgleicht.
Ich war selbst mal an der Uni. Da haben nur ganz wenige das mathematische bzw. statistische Rüstzeug. Da wäre mir eine speziell dafür aufgebaute staatliche Stelle lieber.
Lool R.B.,
rechnen kann da kaum einer. Studieren fast alle Politologie und solches Zeugs. Was nachher auf dem Markt kommt sind kaum mehr als verblendete Trottel.
Ja, eine staatliche Stelle wäre da besser. Die Finna wäre da die richtige Adresse. Doch das mit der Belangbarkeit ist so eine Sache …, vor allem wenn es sich um kummulierte Papiere handelt, die selbst wiederum auf anderen Papieren basieren.
Wer weiss da schon, ob die Angeben der Gazprom stimmen? Und wie will man einen Russen belangen?
Das ganze undurchsichtige Ratingsystem und alles was damit zusammenhängt kann man getrost vergessen. Das ist doch alles ein gut verpacktes Schneeballsystem (wo die letzten Hunde/Steuerzahler gebissen wird). Wir haben das Gold verschleudert, der Bürger wird pausenlos vertröstet und angelogen und der grosse Reibach machen ein paar wenige die den ganze Brunz steuern. Mein Fazit als gelernter Zimmermann.
Ich verfolge die Kommentare zur Finanz- und Wirtschaftskrise bei Winkelried seit Anfang an und bin der Meinung, dass der Artikel von David Frankfurter eine treffende Analyse der Probleme in der Finanzbranche darstellt. Eine Sache aber stört mich. Der Glaube, dass es eine unabänderliche Tatsache ist, dass der Staat resp. die Nationalbank als Garant für wertlose Wertpapiere mit Steuergeldern geradestehen muss und die UBS nicht Konkurs gehen lassen kann. Man gründet zu diesem Zweck mit gutem Geld eine schlechte Bank?!?
Meine bevorzugte Variante währe gewesen, eine gute Bank zu gründen mit der Nationalbank als Hauptaktionär. Alle UBS Kunden hätten das Angebot erhalten, dass ihre Kundenbeziehungen 1 zu 1 übernommen werden. Dieses Angebot hätte man ein Jahr aufrecht erhalten können. Danach hätte man den Rest der UBS, mit den ganzen Schrottpapieren pleite gehen lassen. Die UBS könnte in einem ordentlichen Konkursverfahren abgewickelt werden.
Die neue Bank hätte man dann in 5 bis 10 Jahren über die Börse verkaufen können und so – im Gegensatz zur aktuellen Lösung – tatsächlich zumindest das bei der Gründung investierte Kapital wieder zurück erhalten.
Mir ist bewusst, dass meine Meinung gegen alles steht, was Experten zu diesem Thema bisher gesagt haben. Trotzdem konnte mir noch niemand beweisen, dass die nun gewählte Lösung sinnvoller ist.
@Peter Weber
Die Bilanz / Erfolgsrechnung der Gazprom wird publiziert und kann plausibilisiert werden. Das ist ja die Aufgabe einer Ratingagentur. Sind diese Zahlen nicht plausibel, bzw. zuwenig greifbar, so wird wie von mir empfohlen, das pessimistischte Rating genommen.
Was jedenfalls klar ist, dass jedes Land alles in seinem eigenen Land wegsteuern kann (Russland) oder von einem anderen Land wegsteuern kann (Deutschland / Schweiz). Da nützt dann auch ein Rating nichts.
Ich als Anleger kann ehrlicherweise noch weniger beurteilen, wie es mit einer Firma steht, ausser bei meiner eigenen.
Ein Schneeballsystem entsteht, wenn mann 3 B-geratete Werte bündelt und dann als AAA-geratetes Derivat verkauft, wenn Firmen (Banken) mit einer Eigenkapitalunterlagung von wenigen Prozent ein AAA haben, aber Firmen mit 100% Eigenkapitalunterlegung wie meine nicht mal kreditwürdig sind.
@Gehrig
Nun passiert mit der Schweiz, das was mit vielen Firmen schon passiert ist. Sie werden augebeinelt, das Silber und Gold verkauft und mit Schulden vollgeladen. Und alle sind froh, dass sie nun 5 Rappen mehr in der Tasche haben und wählen diese Politiker.
Dieser Thread lässt mich immer wieder an meinen tollen Betriebskundelehrer aus meiner alten Schule denken; er hat 2 Dinge immer gesagt:
#1:
Die meisten Manager seien Pfeifen; statt umzustrukturieren, Aufgaben neu zu verteilen, Abteilungen zusammenzulegen oder z.B. Kurzarbeitszeit-Modelle einzuführen, würden nur Leute aus dem Belegschafts-Pool entlassen.
#2:
Eine gute Organisation bleibe straff gehalten länger in der internen Dynamik eines Unternehmens, modulare Hintertürchen sollten nur bedingt geschaffen und dann auch nur im äussersten Notfall zugelassen werden. Dies bietet Schutz, weniger Fehleranfälligkeit und gute (Eigen-)Kontrolle.
ICH muss ihm Recht geben, denn:
Würde man das ganze Finanzsystem als eine Art Schneeball-Konstrukt betrachten und betreiben; selbst dann würde es im Zeitalter des Internets zu Ungereimheiten kommen, worauf wieder Klagen folgen etc.
Und schon beginnt der Teufelskreis von vorn. Geld ist Fiktion. Leben. Oder eben, alles zu verlieren.
Eine Bank war für mich nie etwas anderes als eine Handelsgesellschaft mit einer Zweitfunktion als Sparschwein. Tolle Tresore haben die. Auch wenn heute das Geld weg ist. Die Produkte waren (Thanx, Dr. Liffsey!) für mich auch nie so richtig “greifbar”, daher matieriell praktisch inexistent. Natürlich wusste ich nach und nach um die Arten von Papieren Bescheid, doch ich liess stets die Finger davon…heute weiss ich endlich warum. Während meine Banklehrlinge-Kollegen seit praktisch 15 Jahren ununterbrochen alljährliche Profite durch Dividenden oder andere Werte aus Papieren herausgelöst haben, arbeitete ich hart für mein Geld auf dem Bau. Heute siehts genau umgekehrt aus…die meisten Kollegen haben grosse Verluste eingefahren und misstrauen nun zu Recht dem ganzen System. Wen wunderts…