Boni-Populismus

27. Oktober 2008 von Echnaton - 8 Kommentare

Die Boni-Nummer nimmt zur Zeit schon fast dadaistische Züge an. Politiker distanzieren sich von Banker als bestehe der Verdacht, es seien KZ-Aufseher.

Mal zu den Fakten: der Staat liebt Boni! Im Normalfall sind Boni Unternehmensrendite, die den Angestellten als Einkommen ausbezahlt werden. Das heisst: Beiträge für die AHV (ca. 15%), Pensionskassenbeiträge und Steuern, viel Steuern.

Wenn die UBS also 7 Mrd. Boni an ihre Mitarbeiter ausbezahlt, sahnt der Staat ca. 2 Mrd. davon ab. Und diese Moneten will er nun plötzlich nicht mehr? Soll die UBS das Geld einbehalten und in den Cayman Islands zwischenlagern? 

Entweder ist unsere politische Kaste übergeschnappt oder es sind alles billigste Populisten, die Linken an vorderster Front? Anders kann man sich das Boni-Theater nicht erklären. Nicht minder lustig ist die Einlage der FDP (Pelli). Wie kann man eigentlich seine Sponsoren so vor den Kopf stossen? Die Partei existiert nur wegen dem Geld dieser Leute - oder haben sie schon mal was anderes von ihr gesehen als Plakate?

Ökonomisch ist das Problem der Boni “wurscht”, juristisch hingegen weniger. Eigentlich steht die Unternehmensrendite den Aktionären zu und nicht den Managern. Wenn also jemand zu Recht etwas gegen exzessive Boni unternehmen muss, dann sind es diese.

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  1. Ich bin auch ein Gegner unverschämter Bonuszahlungen, weil ich das einfach nicht mehr für ethisch vertretbar halte und viele mit ihrer Arbeit gar nicht soviel verdienen können. Aber ich habe jedem immer gesagt, es gibt eigentlich nur zwei, die ein Interesse daran haben, dass Wahnsinns-Boni, je mehr desto lieber, der einte ist derjenige, der den Bonus erhält und der andere ist der Staat. Mir ist nicht bekannt, dass es Boni gibt, die steuerfrei sind. Erstens muss darauf die AHV in voller Höhe von beinahe 15 % (Arbeitgeber und Arbeitnehmerbeitrag) abgeliefert werden und zweitens ist die Bonuszahlung voll einkommenssteuerpflichtig nach Tarif der jeweiligen Gemeinde als auch die Bundessteuer geschuldet. Die hohen Boni werden daher praktisch immer mit dem höchsten Steuersätzen besteuert. Wenn Aktien zu besonders günstigen Konditionen abgegeben werden, so wird die Differenz zwischen Abgabepreis und Börsenkurs am Abgabetag genau gleich als Einkommen besteuert und zwar für AHV und Einkommenssteuer. Auf jeden Fall kassiert der Staat auf diese Weise ein mehrfaches, wie wenn die Bonuszahlungen in der Firma zurückbehalten würden sozusagen als Verstärkung des Eigenkapitals. Es ist allein der Aktionär, der ein Interesse daran haben müsste, dass überhaupt keine Boni oder nur geringe ausgerichtet werden. Durch die Bonuszahlungen sinkt der Gewinn der Firma, es gibt weniger Dividende und auch der innere Wert des Unternehmens sinkt grundsätzlich um diese Boni.

    Aber das alles haben die meisten Linken nicht kapiert, die ohnehin in aller Regel von Wirtschaft nichts verstehen. Gerade diese Staatsgläubigen und Etatisten müssen ein ureigenes Interesse haben, dass der Staatssäckel immer mehr gefüllt wird. Wenn die Bonuszahlungen massiv eingeschränkt werden, so gehen dem Staat einige Milliarden Einnahmen verloren, die er bisher gehabt und auf die er gezählt hat. Den Linken werden die Augen noch aufgehen und zwar mit ziemlicher Sicherheit schon in Bälde. Die kommende Rezession wenn nicht Wirtschaftskrise wird die Arbeitslosigkeit enorm hochschnellen lassen, der Staat wird immens weniger Steuereinnahmen zu beklagen haben, auch die AHV/IV. Anderseits werden die Sozialkosten enorm steigen. Woher das Geld nehmen ? Viele Linke meinen ja, das liege auf der Strasse, man müsse es nur holen. Immer Steuern erhöhen wie Deutschlands Rezept und zum Hochsteuerland avancieren? Eventuell, aber nicht mit mir. Gegen eine Muselübernahme der Schweiz würde ich Waffengewalt anwenden, aber gegen Abzocksteuern wäre ich machtlos. Als guter Eidgenosse habe ich bisher alles inkl. Vermögen auf Heller und Pfennig nach Staatsvorschriften versteuert. Genügend Weissgeld zu Schwarzgeld zu machen, wäre unmöglich, es wäre denn, dass gerade ein von Inzucht geschädigter Idiot als Steuerkommissär des Amtes walten würde. Also würde ich wahrscheinlich aus der Schweiz abhauen und mich vom Steueramt mit einem Leck mich am … schriftlich verabschieden.

    Ich weiss, was es heisst, dem Staat Steuern zu bezahlen und das Gefühl zu haben, dass man nur einen Bruchteil dessen vom Staat als Gegenleistung zurück bekommt. Während meiner beruflichen Tätigkeit habe ich Jahrzehntelang Jahr für Jahr der Gemeindekasse Steuern zwischen Fr. 100′000 bis Fr. 150′000 inkl. Bundessteuern abgeliefert. Wenn ich mich frage, was ich eigentlich dafür bekommen habe, muss ich ehrlich sagen, nicht allzuviel, ein schöner Teil war Abzocke.

  2. Korrektur. Die AHV-Beiträge inkl. IV/EO betragen nicht ca. 15 %, sondern rund 10 %. Als Rentner war ich nicht mehr auf dem laufenden.

  3. Der Designer

    Danke für Deinen Beitrag.

    Man kann Boni durchaus steuerfrei machen. Das geht so. Man transferiert das Geld getarnt als Schuldenrückzahlung auf die Cayman Islands. Dort stellt man Kreditkarten für das obere Kader aus. Diese können dann was sie wollen damit bezahlen.

    Ist eine alte Nummer, kennt jeder in der Branche.

    Einspruch … von oben heruntergerechnet (Bruttolohnkosten) kalkuliert der Unternehmer mit 15% AHV/IV/EO.

  4. ich als unternehmer rechner mit 15% abzüge beim lohn.

  5. Man sollte nicht Birnen mit Aepfeln vergleichen. Bei diesem Thread über die Steuerabgaben von Boni geht es ja darum, wie viel der Staat oder Institutionen aus solchen Boni-Zahlungen in die Kasse gespült bekommen. Nach steuergesetzlichen Vorschriften sind Boni als Einkommen zu versteuern und die Sozialabzüge abzuliefern. Ich habe früher auch Boni bekommen, damals hiess es noch Gratifikation und darauf wurde von der Bude die volle AHV von 8,4 % an die AHV abgeliefert. Ob der IV-Beitrag von 1,4 % und die EO von 0,3 % auch noch abzuliefern war, zusammen also 10,1 % weiss ich nicht mehr. Mit Sicherheit aber nicht mehr. Also wird maximal 10,1 % an AHV und andere staatliche Institutionen abgeliefert und nicht 15 %, die noch andere Abgaben enthalten dürften wie Kinderzulagen, Familienzulagen und weiss Gott noch was für alles. Dazu kommt natürlich noch das versteuern als Einkommen. Ob es jetzt 8 %, 10% oder 15 % sind, ist nicht von entscheidender Bedeutung. Fest steht jedenfalls, dass der Staat und seine Institutionen einige Milliarden an Boni-Auschüttungen verdienen. Ich schätze nicht nur 2 Milliarden, sondern es ist ein mehrfaches davon. Allein die UBS hat je nach Jahr zwischen 10-15 Milliarden augeschüttet, dann kommt die CS hinzu und viele, viele anderen Banken, insbesondere alle gut verdienenden Vermögensverwaltungs-Banken.

    Es ist schon möglich, dass bei gewissen Buden solche Drehs, wie vom User Designer erwähnt, gedeichselt werden. Allein die steuerlichen Vorschriften sind eindeutig, die Bonis aller Art von Gattungen sind auf dem Lohnausweis genau aufzuführen und solche Drehs wären ganz klar Steuerbetrug und damit ein Straftatbestand. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Banken Steuerbetrug in diesem Stil begangen wird, das Risiko für die Manager wäre viel zu hoch. Auch ist die ganze Boni-Geschichte in den Banken computerisiert inkl. der daraus fliessenden Zahlen in den Lohnausweis. Da würde ich noch eine Wette abschliessen, dass die gesetzlichen Abgaben auf den Boni bei allen Banken mit Namen nach Steuergesetz auf Heller und Pfennig abgeliefert werden. Da kenne ich mich bei den Banken zu gut aus.

    Von verschiedenen Kreisen, u.a. auch von gewissen Parteien wird jetzt gefordert, dass die UBS-Manager der obersten Führungsstufe die kassierten Boni der letzten 3-5 Jahre zurückgeben müssten. Dies wird kein leichtes Unterfangen werden, abgesehen davon, ob dies überhaupt rechtlich durchsetzbar ist. Die Boni wurden nur zu einem kleinen Teil in bar abgegolten, so wie ich weiss, zu etwa 20 %. Der grosse Hauptharst wurde früher in Aktien der eigenen Firma zu Vorzugspreisen und später in Call-Optionspaketen auf UBS-Aktien zu Vorzugspreisen ausgerichtet immer mit der Auflage, dass diese 5 oder mehr Jahre zu halten sind und für diese Zeit gesperrt wurden. Auf die Differenz zwischen Vorzugspreis und Marktpreis zum Zeitpunkt der Ausrichtung des Bonus war auch die AHV geschuldet und diese Differenz war auf dem Lohnausweis jedes einzelnen als Einkommen aufgeführt und musste im betr. Jahr als Einkommen versteuert werden. Wie sieht es aber heute aus mit diesen Optionen. Alle der letzten 5 Jahre herausgegebenen sind absolut wertlos wegen des Kurszerfalls der UBS Aktien und einen Wert dürften diese nach heutiger Einschätzung kaum mehr bekommen, so tief ist der Wert der Titel gesunken. Die Manager mit grossen Boni haben in den letzten Jahren schön in die Röhre geguckt. Grosse Teile der Boni haben sich als wertlos entpuppt, im Gegenteil, man musste darauf noch fiktive Gewinne als Einkommen versteuern. Wie soll man nun die geforderten Rückerstattungen der Boni der letzten 3-5 Jahre gerecht berechnen? Kein einfaches Unterfangen.

  6. baron77

    Auch Linke profitieren von Bonis, gerade die, die u.A. SVP NR. Spuhler kritisieren, profitieren. Die sagen nicht nein, wenn sie nebst dem Lohn (meistens Bundes- und Staatsangestellte, früher Bundes- und Staatsbeamte)ihre Leistungen, egal ob gut oder schlecht, Bonis bekommen. Auch die netten Journis, die das Meiste verschweigen, oder verdrehen bekommen pro Beitrag Honorare, da einen die Haare stehen.

    Das gehört zur Wirtschaftsfreiheit. (Die Linken sagen “leider”)
    Wenn das nicht währe, währe die Schweiz irgend ein “Entwicklungsland” in Europa.
    Ich, als “Normalverdienender”, bin zwar auch nicht so begeistert, wenn so hohe Saläre noch obendrauf mit “Deluxe-Bonis” draufbezalt werden. Aber das ist halt Realität!

  7. baron77

    Korrigendum.

    Währe, wäre gemeint!
    Sorry!

  8. Auszug aus einem Interwiew des Tagesanzeigers mit Peter Spuhler über seine glorreiche und lukrative Tätigkeit im UBS-Verwaltungsrat:

    Ich erhielt über die vier Jahre verteilt rund zwei Millionen Franken – alles in Aktien zu einem Durchschnittspreis von 43 Franken. Darauf habe ich 840′000 Franken Steuern bezahlt. Heute notiert die UBS-Aktie bei 15 Franken, womit das Paket noch 700′000 Franken wert ist. Unter dem Strich habe ich also – Stand heute – 140′000 Franken verloren. Das zeigt, dass die Boni-Systeme gar nicht so schlecht sind. Ich habe meinen Malus.

    Diese Schilderung kann durchaus stimmen. Bei Aktien, die zu Vorzugsbedingungen abgegeben werden, ist die Differenz zwischen Vorzugskurs und aktuellem Marktkurs zum Zeitpunkt des Erhaltes als Einkommen zu versteuern und wird auf dem Lohnausweis ausgewiesen.


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