Aus der China Daily

25. Oktober 2008 von Herakleitos - 6 Kommentare

Es geschah am 17. Oktober 2008 an Bord von Kurs CZ6895, einer Maschine der Fluggesellschaft China Southern. Unter wolkenlosem Himmel bot sich dem Passagier über dem Süd-Becken der von China mit Autonomie-Status versehenen nordwestlichsten Provinz Xinjiang ein atemberaubendes Bild.

Neuntausend Meter tiefer trafen die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne den westlichsten Ausläufer der Wüste Gobi und modellierten die von der Erosion durchfurchte Oberfläche im Spiel von Licht und Schatten so heraus, dass das grossartige Natur-Schauspiel den Flugpassagier nur noch schweigend staunen liess. Südlich und nördlich rahmten mächtige Gebirgsmassive das völlig dürre Wüstenbecken ein mit Dutzenden in Schnee und Eis gleissenden Gipfeln: Sechstausender, Siebentausender, auch einzelne Achttausender.

Die Schweiz in den Schlagzeilen

 Da störte das Kabinenpersonal den überwältigenden Eindruck. Lächelnd verteilten die Chinesinnen die neusten Zeitungen. Dem Ausländer wird ein in Englisch erscheinendes Blatt übergeben: «China Daily», 17. Oktober 2008. Man will sich von den Natureindrücken nicht ablenken lassen, überfliegt rasch bloss die Titel - und bleibt voller Erstaunen am Wirtschaftsteil hängen: Unvorstellbar! Die Schweiz ist Hauptthema! Eine seitenbreite Schlagzeile dominiert - allerdings wenig Erfreuliches verheissend: «Switzerland moves to bail out UBS».

Die bösen Ahnungen werden sofort bestätigt. Hatte man erst tags zuvor über die auch in entlegenste Winkel der Erde reichenden elektronischen Verbindungen erfahren, dass der Schweizer Bundesrat trotz heftigster Börsenturbulenzen Entwarnung für unser Land verkündet hatte: Man habe alles unter sicherer Kontrolle! Und dann liest man von schlechterdings abenteuerlichen Zahlen: Der faktische Konkurs der UBS sei nur abwendbar mittels einer Direkthilfe des Bundes von 5,2 Milliarden Dollar. Darüber hinaus, berichtete «China Daily», seien unglaubliche 59,2 Milliarden Dollar (das entspricht gut zwei Dritteln der gesamten, von der Nationalbank verwalteten Währungsreserven der Schweiz) gesprochen worden, für welche die Nationalbank die UBS von maroden, die Bank sonst erwürgenden faulen Krediten zu entlasten habe. Diesen Vorgang wertete die chinesische Presse als das wirtschaftliche Hauptereignis des Tages.

Chinas Botschaft

 Zugegeben: Auch Summen zu Stützungsaktionen anderer Regierungen wurden genannt und summarisch kommentiert. Schlagzeile und Schwerpunkt-Artikel stellten indessen die Schweiz ganz klar in den Mittelpunkt.

China wird regiert von einem autoritären Regime. China ist gewiss keine freiheitliche Demokratie, verfügt also nicht über eine freie Presse. Zwar ist es nicht so, dass jede gedruckte Zeile von der Regierung selbst gesetzt wird. Aber Chinas Regime überwacht die von den chinesischen Medien verbreiteten Informationen und Kommentare mit äusserster Sorgfalt. Der redaktionelle Spielraum ist begrenzt. Regime-Kritiker oder gar Regime-Gegner haben in Redaktionen chinesischer Medien nichts zu bestellen. Was Chinas Medien veröffentlichen, widerspricht also gewiss nicht der Beurteilung wichtiger Ereignisse durch die chinesische Regierung.

Wen Chinas Medien Massnahmen der Schweiz zum Hauptereignis des Tages erklären, will China dem Leser eine Botschaft vermitteln. Nicht die publizierten Zahlen sind es, welche die Chinesen beeindrucken. Die Tatsache, dass auch die Schweiz - für China bislang eine Säule sorgfältigen, nüchternen, hochqualifizierten Finanzgebarens - zutiefst in jenem Schuldensumpf steckt, den als Koryphäen eingeschätzte Banker durch ebenso verbrecherisch-verantwortungslose wie unabsehbar-masslose Spekulation mit nichts anderem als Schuldentürmen ohne substantiellen Wert der Welt eingebrockt haben. Für China ist mit der Schweiz eine Bastion des Vertrauens gefallen - das ist die Botschaft Chinas.

Zauberlehrling

Ob diejenigen, die dem Vorgehen der Schweizer Regierung überschwängliches Lob erteilen, wohl schon erfasst haben, welch unabschätzbares Image-Desaster damit der Schweiz zugefügt wurde in jenen Ländern, welche zu machtvollen Gläubigern der im Schuldensumpf versinkenden Spekulantenretter-Länder geworden sind? Und da schwadroniert Couchepindaher, man werde mit den Schuldentürmen, welche sich in Nichts aufgelöst und damit die UBS ins Elend gerissen haben, schliesslich wohl noch «ein Geschäft machen» . . .

Goldkäufer

Hat Couchepin vergessen, dass China mit dem Finanzplatz Schweiz längst auf ganz spezielle Weise «verbunden» ist. Als hierzulande angeblich vorausschauende Fachleute aus Politik und Finanzwelt dem Schweizervolk vor einigen Jahren einredeten, die Schweizer Goldreserven - «überschüssig» und unproduktiv - müssten mittels Verkauf endlich dem Wirtschaftskreislauf dienstbar gemacht werden, wurde auch China aktiv. Als Käufer. Viele der Goldbarren, welche die Schweiz bar jeder Vernunft im Ausmass vieler hundert Tonnen ausgerechnet zu dem Zeitpunkt verhökerte, als der Goldpreis auf einem historischen Tief verharrte, lagern heute in Chinas Goldtresor. China nutzte die Gunst der Stunde - oder die Dummheit der Schweizer Finanzspezialisten - und deckte sich mit günstigem Gold überlegt und umfassend ein. Jene «Fachleute» aber, die damals den Ausverkauf des Schweizer Staatsschatzes erzwungen haben, sind nahezu identisch mit jenen, welche heute zwei Drittel der unserem Land noch verbliebenen schweizerischen Währungsreserven jenen sich in Nichts auflösenden «Wertpapieren» nachwerfen, die den faktischen Konkurs der UBS bewirkt haben.

Wem an diesem 17. Oktober dieses Jahres zufällig über der Wüste Gobi eine chinesische Zeitung in die Hand gedrückt wurde, der erhielt Anschauungsunterricht, wieviel Kompetenz jene politische Macht, die ihr Vermögen in sicheren Werten angelegt hat, als die europäischen Staaten solche Werte verschleuderten, europäischen und amerikanischen «Finanzfachleuten» noch zubilligen: Nicht viel mehr als gar keine. 

Hauptgläubiger

China nimmt im Angesicht des gegenwärtigen, aus dem voraussehbaren Zusammenbruch substanzloser Schuldentürme entstandenen Finanz- und Börsenchaos eine besondere Rolle ein. Denn China hat in den letzten Jahren nicht nur seine Goldreserven kontinuierlich und überlegt aufgestockt. China finanziert den Amerikanern überdies seit vielen Jahren deren notorisches Handelsbilanz-Defizit. Nicht aus Sympathie. Sondern gegen Schuldscheine, welche die US-Federal Reserve Bank Jahr für Jahr auszustellen hat. Vergliche man die USA mit einem Wirtschaftskonzern, dann befindet sich China gegenüber den USA heute in der Rolle des mit Abstand grössten Minderheitsaktionärs. Eines so wichtigen Minderheitsaktionärs, dass die Konzernleitung, also die Regierung der USA keine wesentliche Entscheidung mehr treffen kann, ohne die Sicht und Interessen dieses wichtigsten Minderheitsaktionärs zu respektieren.

Ob in der weiten Welt irgend jemand so naiv ist zu glauben, China würde die ihm durch seinen umfangreichen Besitz amerikanischer Schuldscheine zugewachsene Machtstellung in dieser Zeit dramatischer Finanzkrise und tiefgreifender Umbrüche nicht seinem, dem chinesischen Interesse gemäss nutzen? Chinas Strategen drängen sich derzeit zweifellos nicht ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Aber China hat in seiner langen Geschichte immer wieder gezeigt, dass es die Kunst strategischen Denkens und strategischen Handelns beherrscht. Während die westliche Führungsmacht USA bereits viel zu angeschlagen ist, als dass sie sich den Machtinteressen ihres wichtigsten Gläubigers noch entziehen könnte . . .

Zeitenwende?

Schon lange weisen Beobachter der weltwirtschaftlichen Entwicklung daraufhin, dass sich das wirtschaftliche Gewicht auf dem Erdball zusehends - auf Kosten der USA und Europas - in den Fernen Osten verlagert. Nicht ausgeschlossen, dass die Zusammenbrüche, welche die Finanzplätze des Westens derzeit reihenweise heimsuchen, schon bald als jenes Ereignis interpretiert werden, welches als das Ende des amerikanischen Zeitalters und den Beginn des chinesischen Zeitalters in der Weltgeschichte eingehen könnte.

Die Schweiz, das konnte man der gelenkten Presse Chinas an diesem 17. Oktober mit nicht geringer Beklemmung entnehmen, habe sich mit ihrem ebenso unüberlegten wie verantwortungslosen Kopieren des Spekulationsgehabes mit nichts anderem als substanzlosen Schuldentürmen ins Lager der Zerstörer der Finanzmärkte, also ins falsche, ins Lager der Verlierer begeben.


(Ulrich Schlüer/ Brisant vom 24.10.2008)

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  1. Die Betrachtung hat etwas für sich. Nur, was wäre passiert, wenn der Staat Schweiz die UBS hätte Konkurs gehen lassen? Dies wäre unweigerlich die Folge gewesen, denn andere Kapitalgeber hätten sich in dieser Situation mit Garantie nicht mehr finden lassen. Ich glaube schon, dass man noch das kleinere Uebel gewählt hat, auch wenn es ein äusserst arges Uebel ist. Im übrigen scheint das internationale Vertrauen in die Schweiz trotz dieses unsäglichen Deals nicht allzu gross gelitten zu haben, wie der starke Frankenanstieg verdeutlicht. Unter den vielen Kranken wird offenbar die Schweiz immer noch als der am wenigsten Kranke betrachtet. Im übrigen habe ich auch nie verstanden, dass die SNB ihre immensen Goldreserven verhökert hat. Eine Entscheidung ohne jegliche Weitsicht. Aber die Verlockung war natürlich für einige Nutzniesser inkl. der Kantone gross, auf einen Schlag damit viel Chlütter in die Kassen gespült zu bekommen.

  2. ich glaub das hat was mit tradition zu tun.
    die schweiz ist und bleibt immer ein sicherher hafen bei devisenturbolenzen.

    trotzdem es gibt im www bereits wetten auf das datum des konkurses der ubs.
    natürlich hab ich mitgemacht.

    ubs ist der grösste krimineller haufen den es gibt und gehört schneller liquidiert als jeder eingegangener tante emma laden…

  3. @Annubis
    Dank unser Bundesrat, Schlumpfine(dieser frau vertraut die Schweiz)allen voran, wird die UBS Auflösung jeder von uns ca. 10000 und mehr kosten.
    Diesen 10000 zu bezahlen in form von steuerlichen Aderlässe stimmt mich jergendwie negativ.
    Für mich war die Ubs bereits tod, als die superschlauen Br`s auf die kranke Idee kamen die Nationalbank gleich mit in den Abgrund zu werfen.
    Das mag diesen Affen egal sein, ihre halbe Kiste pro Kopf/Jahr werden sie wenn notwendig sogar mit Gewalt aus unseren Brieftaschen herausreissen, ungeachtet dessen ob wir uns noch danach Nahrung leisten können oder nicht.
    Sollen die Jusos doch vor dem Bundeshaus protestieren, kein Schweizer Banker hat jemals 65 Mia. Steuerngelder auf einmal vernichtet.
    Den Verlust diesen 65 Mia, wenn es mit der Ubs fertig ist, haben Schlumpfine (dieser Frau vertraut die Schweiz) und die anderen 6 Lappen zu verantworten.
    Leider muss ich entgegen meiner Überzeugung dafür hoffen, dass die Ubs wieder auf Kurs kommt, sonst wirds teuer.

  4. das problem ist ich trau den cheffes nicht. bisher haben sie nur gelogen und betrogen. 56 mia wollen und gleichzeitig einen gewinn von 7-70 mio ausweisen. das geht bei mir nicht auf. ich kenne keinen bankler in ch der das zeug hat da noch den karren aus dem dreck zu ziehen.

    lieber jetzt schnell alles einstampfen und fertig als weiterwurschteln und in 1jahr dann der bank of china zu verkaufen…

  5. Bürgermeister Hans Waldmann

    Die Goldreserve war eine bereits bezahlte Versicherung für die CH Bevölkerung, das Gold wurde einfach auf dem Markt zu Billigstpreisen verscherbelt. Leider waren die unfähigen Politiker nicht weitsichtig genug auch über den Zeitraum von seiner Amtszeit hinausdenken zu können. Die überlegungen die Reserven zu verkaufen basierten auf Myten. Sie liessen es sogar zu dass die Amis der Schweiz (um 1998) noch Gold abpressen konnte weil da angeblich noch einer oder zwei Goldzäne eines Juden pro Tonne Gold enthalten sein könnte.

    Sehr fragwürdig ist es dass gewisse Politiker kein interesse haben an einer Goldhinterlegten Währung und dazu die Schweizer Industrie schädigen indem Sie den Standort für Industrieen zunehmend unatraktiv machen. Ein beispiel sind die hohen Abgaben, Gebühren und Auflagen. Dazu kaum die Interessen der Schweiz im Ausland vertreten werden, und z.b. Strafzölle aufgehoben werden. Oder auch qualifizierte Arbeitnehmer besser ins Ausland gehen und auch in die Schweiz kommen können.

    Es gehen immer mehr Firmen ins Ausland, während immer mehr Arbeitsplätze verloren gehen.
    Ein Beispiel ist die ohnehin gebeutelte Luftfahrtindustrie, die nun in der Schweiz auch noch Treibstoffzoll abliefern muss. Es wird daher kaum noch ein Langstrekenflieger von Zürich abheben wollen. Wozu auch wenn es von Franfurt aus ohne Steuer geht.

  6. “Wozu auch wenn es von Franfurt aus ohne Steuer geht.”
    Wie lange noch?
    Die Brd wird vor der Metamorphose zu New-DDR im verzweifelten Todeskampf noch alles schröpfen was nach Wert aussieht, die Zeitungen sprachen in den lezten Tage oft über diese Tendenz.


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