Der Deal der Nationalbank im Detail

21. Oktober 2008 von Kulturbereicherer - 12 Kommentare

Die Berichterstattung in unseren Medien über das Ausmass der Rettungsaktion ist schon fast lächerlich dilettantisch. Kein Journi hat bis jetzt auch nur ansatzweise begriffen, was hinter dem Deal steckt und was für Auswirkungen er haben wird. Vor allem bei der NZZ merkt man, dass dort Literaturwissenschaftler hocken und keine Ökonomen. Die Berichterstattung hebt sich kaum ab von der des Blicks oder des Tagesanzeigers.

Unsere Leser aber sind besser informiert. Schon vor zwei Wochen schrieb Winkelried über die Absichten der europäischen Finanzminister:

Solche „Steueroasen“ trocken zu legen, wird dann die erste Aufgabe sein in einer sich wieder erholenden Wirtschaft.

Natürlich haben wir das nicht aus dem Ärmel geschüttelt, sondern erhielten einen Hinweis von einem Bekannten aus Deutschland. Und heute verkündigte der deutsche Finanzminister eben das.

Vor einigen Tagen sagten wir, dass noch weitere Krisenherde wie z.B. der Kreditkartenmarkt auf uns zu rollen. Niemand reagiert und heute melden es die ersten Zeitungen ebenfalls. Mit Winkelried sind sie also immer einige Tage voraus informiert!

Uns ist nun auch gelungen, einigermassen konkrete Informationen aus ökonomischer Sicht zum Deal UBS-SNB zu bekommen. Wir haben ihn hier bilanztechnisch korrekt dargestellt …

Die Story hinter dem Deal

Zuerst muss man mal verstehen, warum der Deal überhaupt zustande kam. Wenn eine Firma eine Fehlinvestition macht, kann sie diese einfach auf Null abschreiben. Die UBS konnte das nicht. Hätte sie einen Verlust von 54 Mrd. USD ausgewiesen, hätte am nächsten Tag der Gugger*) an der Eingängstüre geklebt. Den Medien schien dies vollkommen entgangen zu sein. Zwar hätte die UBS die Option gehabt, dass ganze auszusitzen, d.h. einfach die wertlosen Papiere zum Einstandpreis in der Bilanz zu lassen, doch der Aktienkurs wäre dann bald ins Bodenlose gefallen. Aber auch so hat die Börse nicht gerade euphorisch reagiert.

Die UBS musste daher zusammen mit der SNB eine “Zweckgesellschaft” gründen. Dorthin verkaufte sie die 60 Mrd. USD illiquide Wertpapiere und erhielt dafür ein Guthaben (Cash oder Gutschrift?) von dieser Kapitalgesellschaft. Das Kapital wurde dort wiederum von der SNB eingeschossen. 

Woher aber nimmt die SNB das Geld?

Auf Anfrage bei der SNB erhielten wir die Information, das Geld werde auf dem freien Kapitalmarkt aufgenommen. Aber wo ist das? Die Märkte sind ausgetrocknet. Zur Zeit gibt es gar kein Kapital zum aufnehmen! Und wenn, dann ist es sündhaft teuer. In den Medien geistern da immer wieder die reichen Onkels aus den Golfstaaten herum. Diese haben tatsächlich gute Geschäfte gemacht in den letzen Monaten, doch so unendlich viel, um die Welt zu retten, ist das auch nicht. Diese Frage ist daher noch ungeklärt. Bisher hat aber kein Medium sich damit beschäftigt.

Gelänge es der SNB nicht, die Mittel aufzutreiben, wäre das Resultat der (massive!) Wertzerfall des Schweizer Frankens. Dankbar ist daher eher, dass die Kantonalbanken dieses Geld zur Verfügung stellen. Eigentlich schon paradox: da trägt der Grosspapi seine Ersparnisse von der UBS zur Kantonalbank und hintenrum fliessen diese wieder zurück. Wahrscheinlich auch ein Grund, warum die Medien hier nicht zuviel erklären wollen.

Der Wechselkurs als grosse Unbekannte

In ihrem Communique schrieb die SNB so nebenbei:

Die Nationalbank stellt den Kredit in Dollar zur Verfügung, da die Aktiven überwiegend in dieser Währung denominiert sind. 

Das beachtet zwar kaum jemand, doch ist dieser Satz höchst brisant. Zuerst sagt er mal klar aus, wo die UBS die Miesen her hat: aus den USA. Wären die MIesen im Euroraum zustandegekommen, hätte die UBS eher nach Euro gefragt. Doch der echte Knaller kommt noch. Hier die Wechselkursentwicklung des Dollars:

Trotz der Finanzkrise steigt der ziemlich steil nach oben. War der Kredit von 54 Mrd. USD bei der Pressekonferenz noch knapp 60 Mrd. wert, sind es bereits 62 Mrd. Und täglich können da weitere hinzukommen. Steigt der Dollar auf 2 Fr., was nicht auszuschliessen ist, dann beträgt die Schuld der SNB bereits 108 Mrd (!).

Fazit

Der Deal der Nationalbank ist ein hochbrisantes Geschäft, das die schweizerische Volkswirtschaft ruinieren könnte. Selbst Ueli Maurer gackerte hier das Geschwätz von Widmer-Schlumpf nach:

… unter Umständen könne sogar noch ein gutes Geschäft daraus werden …

- und das ohne zu wissen, was da alles an Wertpapieren abgestossen wurde. Das Portofoglio wurde bis jetzt nicht offengelegt. Der Steuerzahler bekam faktisch eine Blackbox und viele schöne Worte dazu. Ziemlich fahrlässig, schliesslich geht es hier um 70 Mrd.

Verantwortlich wäre dafür die SNB, denn sie hat die Mehrheit an der “Zweckgesellschaft”. Doch abgerechnet wird erst in 8 Jahren und bis dann ist wahrscheinlich auch Kollega Roth längstens irgendwo in der Karibik an der Sonne unter seinem goldigen Sonnenschirm. Wäre tatsächliche etwas wertvolles in dieser Kiste, dann hätte man diese auch wieder auf den Markt bringen können. Nichts anderes muss die SNB ja auch machen, wenn sie das Kapital auftreiben muss. 

Mit grösster Wahrscheinlichkeit aber muss der Steuerzahler hier einfach 62 bis über 100 Mrd. ans Bein streichen. Die Nationalbank wird dieses Geld Schritt für Schritt abschreiben, was einen Wertverlust der eigenen Währung bedeutet.

PS. Selbst für die 6 Mrd. Eigenkapital, die die UBS einschiessen muss, hat es bei den Bankgesellen nicht mehr gereicht. Diese musste der Bund ihr geben. Damit trägt der Steuerzahler 100 % des Risikos.

*) umganssprachlicher Ausdruck aus dem Baselbiet. Der Konkursrichter lässt die Räume versiegeln. Man nennt das im Volksmund “den Gugger kleben”.

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  1. Danke für die detaillierte Erklärung, wozu Blick & Co. mehr unwillig als unfähig sind.
    Das der Steuerzahler die ganze Übung zu berappen hat, mittels Verzicht, habe ich schon geahnt.
    Ich fand es allerdings auch traurig, dass U. Maurer auch nicht genau wusste was er zu sagen hatte, selbst die Parteien schweigen.
    Die Lawine ist schon deutlich hörbar, das Fussvolk wird mit Vorstellungen à la Leuthard (”wir werden keine Rezession haben”) oder Eveline W. Schlumpf (”Die Schweiz traut ihr”) bei Laune gehalten, während die Verantwortlichen und eingewehiten retten was es noch zu retten gibt und die Koffern packen, um nicht bald “Prognomisiert” zu werden.
    Confederatio Helvetica: Bald wieder das Armenhaus Europas?

  2. Ich habe schon einmal in einem anderen Thread detailliert dargelegt, aus welchen Gründen ich die Risiken in etwa wie hoch einschätze. Fest für mich steht, dass es mit Sicherheit aus diesen derzeitig unverkäuflichen Junk-Papieren nie ein Gewinn resultieren wird. Die Gründe dafür habe ich schon einmal klar dargelegt. Es ist reiner Zweckoptimismus, was da Widmer-Schlumpf, SNB-Präsident Roth und der CEO Rohner von der UBS zum besten gegeben haben. Aber man musste den Deal ja verkaufen. Allerdings sehe ich das Risiko auch nicht so hoch, wie das der “Kulturbereicherer” in einer worst-case Annahme darstellt. Erstens einmal kann das Dollar-Risiko von der SNB abgesichert werden und die wird das tun, wenn sie es als notwendig erachtet. Wenn es einen Profi dazu gibt, ist es sicher die SNB. Zweitens stehen hinter diesen momentanen Junk-Papieren Liegenschaften verschiedenster Art wie Mehrfam.Häuser, Einfam.Häuser, Gewerbeliegenschaften und Grundstücke, die gar nichts wert sind, aber massiv an Wert verloren haben. Die Papiere sind derzeit einfach nicht mehr verkäuflich, weil sie niemand haben will, da jedermann noch weiter mit sinkenden Preisen rechnet. Diese Junk-Papiere sind zu einem reinen Spekulationsobjekt geworden. Aufgrund verschiedener Faktoren ist mE mit Sicherheit davon auszugehen, dass diese Subprime-Papiere ihren ursprünglichen Wert nie mehr erreichen werden. Wenn je 50 % erreicht werden, dürfte man sich die Finger abschlecken, die Realität dürfte eher bei 20 - 30 % liegen. Mit andern Worten, das Risiko für die SNB dürfte etwa zwischen CHF 30 Milliarden bis CHF 50 Milliarden liegen. Das ist meine Einschätzung. Auf jeden Fall ein ganz gewaltiger, für die SNB äusserst schwer verdaubarer Brocken mit derzeit noch gar nicht abschliessend abschätzbaren Folgen.

    Zum angekündigten Beschluss der OECD unter Federführung der Herren Sarcozy und Steinbrück, die Schweiz auf die schwarze Liste zu setzen, sei mir nachstehende Meinung gestattet:

    Die Herren von der OECD sollen zuerst einmal besser die Hausaufgaben machen und sich darüber schlau machen, wie der Hase läuft. Auch wenn sie die Schweiz auf die Dauer weichklopfen sollten, bekommen die Steuer-Abzocker-Staaten keinen müden Euro mehr in den Staatssäckel gespült. Bei einer Aufgabe des Bankgeheimnisses werden die hunderten von Milliarden von den CH-Banken postwendend auf ihre Filialen in Singapur verschoben und dort genau gleich verwaltet. Singapur denkt nicht im Traum daran, sein strenges Bankgeheimnis zu lockern und Singapur ist auch nicht erpressbar. Es ist vorprogrammiert, dass allfällige OECD Beschlüsse nicht mehr als zu einem Hornberger-schiessen ausarten. Die Hochsteuer-Abzockstaaten müssen sich schon etwas anderes einfallen lassen, um die Schäfchen bei Stange zu halten. Wie wäre es damit, etwas weniger abzuzocken?

  3. Echnaton

    @Oeko-Clown
    Die bisherigen “Zweckgesellschaften” in Bern und Genf endeten mit ca. 80% Verlust. Da hatte man allerdings noch einen direkten Zugriff, weil Käufer und Verkäufer in der Schweiz waren. Einen wesentlichen Teil der Papiere in diesem Portofoglio sind wahrscheinlich von Lehmann Brothers, darum ist die Firma auch in Cayman Islands. Da ist man sicher, dass nie eine Schweizer Behörde Auskunft erhält.

    Auf die SNB würde ich auch setzen, warum? Weil es keine Alternative gibt in so kurzer Zeit einen solchen Misthaufen zu sozialisieren.

    Du hast eines in Deinen Überlegungen vergessen. In der Schweiz hat die Krise noch nicht einmal angefangen und wir haben schon 100 Mrd. Miese in den Büchern! Die Hölle kommt noch:

    - Häuselbesitzer, die zwangsverkaufen müssen
    - KMU, die Kredite nicht mehr zurückzahlen können,
    - Arbeitslosigkeit
    - der Staat, der seine Bürger noch mehr ausnehmen muss, damit er die linke Kostgängerindustrie am leben erhalten kann
    - und dann kommt der Druck auf die Schweiz aus dem Ausland, die dringenst die Steueroase austrocken müssen. Dabei geht es denen nicht um Moral, sondern die wollen dringend Geld - koste es was es wolle.

  4. über kurz oder lang wird man uns einen EU beitritt verkaufen versuchen und zwar mit dem argument das wir zu klein sind um die kriese auszusitzen.

    vermutlich werden wir in einem jahr auch nen mwst satz von 23% und eine einkommenssteuer von 55%

    und wenn es soweit ist, hol ich meine Munition aus dem Tresor und geh mir mein Futter jagen und wer mich aufhalten versucht verschwindet im guli ;p

  5. Echnaton

    … bin auch dabei …

    Denkbar wäre auch das Gegenteil: die Schweiz kappselt sich wieder ab. Gar keine schlechten Idee, wenn man gleich noch die Migranten und die Linken rausschmeissen könnte. Die können dann in Deutschland in einem Flüchtlingslager hausen … Wir könnten denen dann ab und zu eine bischen Schoggi via rotes Kreuz zukommen lassen, um ihren Alltag etwas aufzuhellen.

  6. lach echnaton - sind das deine feuchten träume? *ggggg*

    abkappseln? wir leben in einer zeit wo der ausverkauf von helvetia in vollem gang ist. ein BR der lieber shows im tv macht als fürs volk zu arbeiten. politiker die sich lieber schmieren lassen und platidüden rauslassen als wirklich für die entwicklung von ch da sind.

    ich glaub eher das ein bundesgerichtsentscheid uns zu vollmitgliedern erklärt - weil das menschenrecht ist als das wir uns abkapseln ;p

    trotzdem freu ich mich auf die jagt zu gehen ;p wir machen dann schöne youtube videos von den streifzügen und wenn der tierschutz kommt - hetzen wir notgeile eichhörnchen auf sie - das wird lustig

  7. schweinsleber

    danke Kulturbereicherer und Oeko-Clown für die guten informationen.

  8. Fuchs

    Wenn wir die Ausländer und Papierschweizer loswerden, wären wir noch so in etwa 3-4 Millionen.
    Unser Land könnte uns dann wieder versorgen und genug Soldaten für einen Guerilla-Krieg in den Alpen hätten wir auch noch.

    Brot und Bier ist mir wichtiger als Geld und Gold.

  9. @Annubis
    @Echnaton

    Leider sind Eure Befürchtungen des schlimmsten Szenarios durchaus nicht unberechtigt. Meine Einschätzungen basierten auf der Annahme, dass das ganze Finanzsystem noch gerettet werden kann. Wenn es kollabieren sollte, ist ein worst case, d.h. ein Totalverlust der über 60 Milliarden sehr wahrscheinlich.
    Auch ich bin der Meinung, dass die globale Krise noch weit nicht ausgestanden ist, sondern erst am Anfang steht. Ich bin auch nicht überzeugt, dass die Staaten überhaupt in der Lage sein werden, genügend Mittel aufzutreiben und bereit zu stellen, um einen Kollaps schlussendlich zu verhindern. Was ein Kollaps bedeuten würde, ist kaum auszumalen. Massive Arbeitslosigkeit, massenweise Konkurse, Immobilienkrise, gewaltiger Einbruch der Steuereinnahmen, zusammenbrechen der Sozialsysteme, weil nicht mehr finanzierbar, grassierende Armut. Uebermündung in Chaos, Kravalle, Aufstände, Plünderungen, Kriminalität und bürgerkriegsähnliche Zustände.

    Fest steht jedenfalls, dass rein aus diesem UBS-Gau die Schweizerische Nationalbank und auch der Staat Schweiz massiv geschwächt werden. Der Handlungsspielraum der eigenen Staatsbank wird bedeutend enger. Schwache Partner neigen dazu oder werden gezwungen, sich mit anderen zu verbünden oder anzuschliessen, auch wenn der grosse Partner mit Sicherheit noch schwächer ist, aber immerhin ist er viel grösser. Es würde mich gar nicht überraschen, wenn die Linken die Gunst der Stunde nützen würden, Volkes Seele wieder einmal gehörig zu beeinflussen, das Heil in der grossen EU zu suchen, die eigene Nationalbank aufzugeben und den Euro einzuführen.

    Sollte es zu einer weltweiten massiven Rezession mit all den negativen Folgen kommen, sehe ich allerdings auch eine gewisse Chance, dass der Zeitpunkt kommen könnte, dass unter Volkes Zorn hunderttausende überflüssiger Kostgänger unser Land verlassen müssten, weil einfach die Mittel schlicht und einfach nicht mehr vorhanden wären, diese durchzufüttern.

    Noch einige Ueberlegungen zum UBS-Debakel, die zwar nichts mehr bringen – der Mist ist schon geführt – aber dennoch gewisse Anstösse zu Ueberlegungen geben dürften.

    Wenn man die Zahlen nackt betrachtet, ist schon ungeheuer, was die Führungsclique dieser UBS für einen Riesenschaden angerichtet hat, es ist wirklich kaum zu glauben. Insgesamt hat die UBS über CHF 100 Milliarden (CHF 100′000′000′000) 100 Tausend Millionen in faule Papiere investiert, die heute nicht mehr absetzbar und damit wertlos sind. Davon wurden CHF 68 Milliarden Risiken von der Schweiz. Nationalbank übernommen, um die UBS vor dem Konkurs zu retten. Hinter der Nationalbank steht der Staat und hinter dem Staat stehen Du und ich als Steuerzahler und Haftende. Mit diesen CHF 68 Milliarden wurden bei einer Bevölkerungszahl von 7,5 Mio. Risiken von über CHF 9′000 auf jeden Einwohner inkl. der Säuglinge abgewälzt. Wenn die in der Regel nicht steuerpflichtigen Jugendlichen bis 19 Jahre ausgenommen werden, sind es sogar CHF 11′600, für die jeder erwachsene Schweizer im schlechtesten Fall zur Kasse gebeten wird.
    Nur zum Vergleich. Die USA haben nach einigem zögern ein Hilfsprogramm in der Höhe von USD 700 Milliarden = ca. CHF 791 Milliarden genehmigt. Bei einer Bevölkerung von ca. 300 Mio. entfallen damit auf jeden Amerikaner rund Fr. 2′600, d.h. 3,5 x weniger Risiken als auf einen Schweizer allein aus dem UBS-Debakel. Auch das zeigt die ungeheure Dimension des UBS-Desasters. Die haben wirklich jegliche Relationen verloren. Ein aus Banklehrlingen gebildetes UBS-Management hätte es mit grosser Sicherheit besser gemacht.

    Personelle Konsequenzen

    Da wurde die eigenkapitalmässig stärkste und solideste Bank der Welt durch Risiko-Engagements von über 100 Milliarden Franken konkursreif gemanagt und welche personellen Konsequenzen wurden gezogen? Der Chef des Investment Banking und der Konzern-Finanzchef wurden gefeuert, weil man wirklich nicht anders konnte. Später nahm auch noch der oberste Chef Marcel Ospel gnädigerweise den Hut, weil man aus Gründen der Glaubwürdigkeit nicht mehr anders konnte. Das war es dann auch schon. Verantwortlich für die Risiko-Ueberwachung inklusive der Kreditrisiken war das Konzern-Risiko-Management der Bank. Eine aufgeplusterte Einheit in der Bank, bestehend aus hunderten hochbezahlten, meist studierten Oekonomen unter Führung des Chief Risk Officers, Mitglied der obersten Konzernleitung und nach Zeitschrift Bilanz mit über CHF 10 Mio. p.a. bezahlt. Und dieser ganze Haufen hat nicht gesehen, was sich da für Risiken in Milliardenhöhen zusammenbrauen? Ein totales versagen dieses Risk Managements, das sich einige Monate vorher noch rühmte, über ausgeklügeltste Risiko-Analayse-Programme zu verfügen und täglich mit den hiefür notwendigen Informationen weltweit versorgt zu werden. Bluff, Schau und nichts dahinter. Der Chief Risk Officer ist der Verantwortliche des Konzerns für die Risikoüberwachung. Er wurde zwar seines Postens nach Bekanntgabe der ersten Abschreibungen enthoben und durch einen andern ersetzt, ihm aber gleichzeitig ein lukratives neu geschaffenes Jöbchen zugeschanzt, das auch mit einigen Millionen Salär p.a. dotiert sein dürfte. Weshalb wurde dieser Mann nicht gefeuert? Er war der oberste Verantwortliche für die Risiko-Erkennung im Konzern. In aller Regel werden Leute wegen viel geringerer Schäden gefeuert. Man kann sich dies nur mit Vetternwirtschaft und gegenseitigem zuviel wissen erklären. Es ist auch schwer nachvollziehbar, weshalb die Eidg. Bankenkommission (EBK)in diesem Fall nicht intervenierte.

    Der kürzlich publizierte Bericht der Eidg. Bankenkommission über die Hintergründe dieses Debakels (weshalb es so weit kommen konnte) ist zwar interessant zu lesen, allein mir fehlt der Glaube, dass es sich tatsächlich so abgespielt hat, wie in dem Bericht dargestellt wird. Der Bericht basiert primär auf Informationen, welche die UBS in ihrem Sinn und Geiste der EBK abgeliefert hat. Der Bericht mündet schlussendlich darauf hinaus, dass eine Verkettung höchst unglücklicher Umstände zu diesem Desaster geführt habe, aber eigentlich niemandem grobfahrlässige Schuld zugewiesen werden könne. Besonders störend an diesem Bericht ist die Aussage, dass man sich in der UBS erst im August 2007 der Risiken in diesen Subprime-Papieren erstmals bewusst geworden sei. Das stinkt bis zum Himmel und ist völlig unglaubwürdig. Bereits 2006 und besonders im Frühjahr 2007 pfiffen es in den USA die Spatzen von den Dächern, dass die Seifenblase Immobilien am platzen sei. Tausende von Immobilien wurden mit Preisabschlagen von 30 % und mehr gehandelt, sofern überhaupt absetzbar. Es gab schon damals in diversen USA-Zeitungen und Journalen höchst warnende Stimmen ausgewiesener Fachleute. Mir persönlich wurde von einem UBS-Prokuristen schon im Frühjahr 2007 zugetragen, dass die UBS in den USA auf hochriskanten Subprime-Papieren im Ausmass von damals USD 80 Milliarden hocke, die kaum mehr absetzbar seien und sich da ein Debakel ungeahnter Grösse abzeichne. Ein UBS-Prokuristli hat die gewaltigen Risiken schon im Frühjahr 2007 gesehen und das Risk-Management bzw die oberste Konzernleitung sollen erst im August 2007 etwas davon erfahren haben? Das stinkt doch bis zum Himmel. Da wurde doch in diesem Bericht an die Eidg. Bankenkommission alles so zurechtgebogen, dass möglichst alle Verantwortlichen ungeschoren davonkommen. Eine Hand wäscht die andere. Und einige dieser Leute sitzen noch am Ruder. Was muss eigentlich alles passieren, bis man Verantwortliche zur Rechenschaft zieht, ihnen die Gewähr für einwandfreie Geschäftsführung entzieht und ein Berufsverbot erteilt? Vielleicht wird die sehr schonende und wohlwollende Behandlung durch die EBK etwas verständlicher, wenn man weiss, dass der Chef der EBK vorher als Uhu (Unterhund) des noch vor wenigen Jahren zum Manager des Jahres erkorenen UBS Starbankers Marcel Ospel beschäftigt war.

  10. Gaul

    Die Grafik mit der Dollarkursentwicklung ist natürlich sehr sehr kurzfristig und führt daher zu falschen Spekulationen. Viel mehr ist es so, dass der Dollarkurs in den letzten 40 Jahren ich um ein vielfaches verkleinert hat und dass er allein in den letzten 20 Jahren von über 1.50 auf unter 1 gefallen ist.
    Nun ist ein kurzzeitiger Anstieg hier. Wer sagt, dass dieser von Dauer ist? Viel mehr könnte es genau so gut sein, dass der Dollar weiter sinkt und in 5-10 Jahren auf 0.4-0.8 Franken ist, was den maximalen Verlust auf 30 Milliarden schrumpfen liesse.

    Daher ist es im Moment völlig spekulativ und aufgrund der langfristigen Kursentwicklung eher davon auszugehen, dass es ein Vorteil ist, dass das ganze in Dollar abgeschlossen wurde.

  11. Echnaton

    @gaul
    Du kannst die Achse auch auf 300 Jahre ausdehnen und den Dollar in Relation auf den Golddukaten setzen …. babbalabab …

  12. Bürgermeister Hans Waldmann

    Über 12% Zins von der UBS und nur 2% bei der PK zeigt schon auf wie die Pensionskassen Einzahler beschissen werden. Auch das Bundesgericht sagt bei Kapitalabfindungen könne man von einer Mündelsichere Geldanlage mit 4,5% Zins (Rendite) ausgehen.

    Den Politiker und Banken ist es scheiss egal wie viel Geld einem Sparer im Alter übrig bleiben wird. Die haben ein interesse daran dass der Franken wegen der Exportindustrie schwach bleibt, während die Steuern und Abgaben weiter in die höhe geht.


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