6. Oktober 2008 von Kulturbereicherer - 5 Kommentare
Bedauerlicherweise ist die schweizerische Öffentlichkeit gewöhnt, sich selbst wirtschaftliche Zusammenhänge von sozialbewegten Schreiberlingen erklären zu lassen. Das nötigt uns, wenigstens unseren Lesern kurz die Situation auf den Kapitalmärkten aus ökonomischer Sicht zu erklären. Über die Ursachen haben wir bereits berichtet. Wir wollen nun kurz die gegenwärtige Entwicklung aus der Sicht der Wirtschaftswissenschaften - allerdings leicht verständlich - aufzeigen.
An Samstag trafen sich in Paris die Staatschefs der EU. Unsere Medien haben leider wieder mal nur nette Absichtserklärungen abgedruckt, deren Inhalt aber nicht verstanden. Zuerst muss man ich mal kurz überlegen, wer da zusammenkam: eine Gesellschaft, die allesamt Staaten vorstehen, die nach normalen Ermessen schon längst Konkurs sind. Lediglich die Tatsache, dass sie über ein Münz- und Gewaltmonopol (sprich Militär und Polizei) verfügen, lässt dieses Treffen überhaupt erwähnenswert erscheinen.
Kapitalmärke fluten
Vorerst geht es hier um das Münzmonopol. Die Zeitungen schrieben, dass die Regierungen sich aktiv an der Rettung der Banken beteiligen werden. Das kann man nur mit linker Obrigkeitshörigkeit erklären: Wie kann eine Gruppe von Politbumps, die selbst stier sind, den Rest der Welt retten? Diese Frage hat sich kein Journalist gestellt.
Doch es geht! Allerdings ist es weniger ein Retten, eher ein “Linken”. Die Regierungshäupter haben einfach ihre Hausbank (EZB) angewiesen, den Markt mit Euros zu fluten - und zwar genau so ist es gemeint: fluten. Es geht darum zu verhindern, dass die Kapitalmärkte trocken fallen.
Und der erste Rate ist bereits fällig: 35 Mrd. Euro für die Hypo Real Estate. Auf den ersten Blick tönt das sehr amerikanisch und so stand es auch in den Medien: sie hätten sich dort verspekuliert. Stimmt nicht! Hypo Real Estate ist in Deutschland und in Irland tätig und hängt mit etwa 130 Mrd. drin.
Die Deutschen haben so etwas wie Pfandbriefe, im wesentlichen Schuldverschreibungen auf Hypotheken und öffentliche Anleihen (seit 1933). Das Gesamtvolumen beträgt etwa 900 Mrd. Euro. Das Pfandhaus kauft dabei der Bank die Hypothek ab (Refinanzierung der Banken) und verkauft diese in Form von Anleihen an die Kunden weiter (meist Private). Die Anlage gilt als sehr sicher, der letzte Konkurs eines Pfandhauses fand 1901 statt.
Benny Banker will gerettet sein
Was aber, wenn aber dem Pfandhaus die Monetas ausgehen, weil keiner mehr Pfandbriefe will, bzw. sich die gar nicht mehr leisten kann? Tja, dann gibt es kein billiges Geld mehr für die Banken. Und bekanntlich betreiben die Banken das Zinsdifferenzgeschäft: sie kaufen Geld billiger ein, als das sie es verleihen. Und können Sie es sich nicht mehr billig beschaffen, dann müsste irgendwann Benny Banker seien Murcielago verkaufen.
Wenn es so einfach wäre, wäre es allerdings noch nicht weiter schlimm. Faktisch aber gibt es auf dem Bankensektor keine wirkliche Konkurrenz. Was macht also Benny Banker? Er erhöht seine Zinsen. Die Folge ist einfach: Unternehmen können nicht mehr investieren, weil das Kapital zu teuer ist. Und der Private kann die Hypo nicht mehr zahlen und landet in der Tent City.
Doch nun kommen die Ritter des Münzmonopols und retten die Welt. Wie machen sie das? Sie “floaten”, d.h. sie pumpen Mrd. in das Pfandhaus (oder in die Pfandhäuser). Da sie sich das Geld wohl kaum auf den Kapitalmarkten beschaffen können, drucken sie rund um die Uhr “Blaue”.
Und das Liseli ist auch glücklich
Das Liseli auf der Strasse ist dann für’s erste beruhigt. Sie bekommt weiter “Blaue”. Irgendwann dann aber auch einen Brief: Mietaufschlag. Aber dafür gibt es ein Mietgericht: dem werde sie es dann schon noch zeigen, diesem Halsabschneider!
Und ach, wie teuer das Gemüse ist. Ach ja, wegen den Arabern und den Spekulanten, hat das Liseli im Blick gelesen. Dieses Saupack, ist doch klar. Und jetzt beschliesst der Nationalrat auch noch drei Prozent Mehrwertsteuer-Erhöhung (begrenzt auf drei Jahre selbstverständlich) zur Rettung der Schweiz. Ausserdem schafft er noch 1500 neue Stellen bei der Polizei. Die Schwarzarbeit will gekämpft sein! Der Bundesrat zeigt Initiative!
Aber man muss ja froh sein, dass man überhaupt noch seinen Job behalten kann - meint Liseli.
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Nun die Zinsen müssen steigen, Geld muss wieder einen Wert haben. Die grösste Sorge macht mir aber eine Hyperinflation, bei so viel Geld das da gedruckt wird, wäre sowas möglich. Vor 10Jahren war eine Milliarde noch viel Geld aber heute sind 700Milliarden nicht mal mehr was.
Wie kamen den die Golden letzten Jahre zustande? Die Leute, Unternehmer etc. lebten auf Pump eine neue Yacht für 60Millionen, weil die Geschäfte so gut laufen und Immobilien immer an Wert gewinnen. Leasaing zu 0% fürs Auto etc., wer kauft da kein neues Auto?
http://de.wikipedia.org/wiki/B....._graph.svg
Sehen wir uns die Graphik an des Dow Jones, es fällt auf das er nach 1985 massiv ansteigt und dies aus dem Grund weil Grenspan die Märkte mit billigem Geld speisste. 2003 wäre der ultimative Crash gewesen, dieser wurde verhindert mit der 0%Zins Politik. Das was wir jetzt erleben ist sozusagen der Nachfolge Crash von 2003 oder der fortlaufende Crash von damals. Die Rezession ist noch nicht mal in Europa und die Aktienmärkte sind sehr tief, durch die steigenden Zinsen wird leben auf pump schwieriger und der Konsum wird gedrosselt.
Dafür kommt die Zeit wo das Geld des kleinen Mannes wieder etwas Wert hat.
guter artikel
Ja, ja. Die Hypo Real Estate ist in old Germany die mit Abstand grösste Pfandbriefbank. Der Pfandbrief wurde in Deutschland als die sicherste Anlage überhaupt angepriesen und verkauft. Wer absolut sicher investieren wollte, dem wurden Pfandbrief-gedeckte Papiere empfohlen. Man schätzt, so habe ich heute gehört, die im Umlauf befindlichen Pfandbriefforderungen in Deutschland auf über 900 Milliarden Euro. Ein ganz nettes Sümmchen. Für den wirklich maroden Staat Deutschland aber laut sachkundigen Politgrössen, die nicht mehr als eine hohle Birne haben, kein Problem, Peanuts eben. Die Regierung musste unverzüglich noch gestern vor Eröffnung der asiatischen Märkte handeln, sonst wäre das Chaos mit Wucht losgegangen. Es musste den Bürgern auch verkündet werden, dass ihre Konten (nicht nur Sparkonten) bei den Banken durch den Staat garantiert würden. Reine Farce, der Staat könnte das gar nicht, auch nicht mit hochdrucklaufen der Notenpresse. Ohne massive Stützung der Real Estate und zugleiche Garantieaussage wäre ein Absturz der Börse Frankfurt wie zu Zeiten der Wirtschaftskrise in den dreissiger Jahren die Folge gewesen mit Run auf die Banken. Leider schätze ich die Situation viel dramatischer ein, als sie ohnehin schon ist. Das war erst der Anfang vom Drama mit einer gewaltig noch folgenden Kettenreaktion. Die Möglichkeiten des regelns über die Notenpresse sind irgenwann erschöpft und dann Prosit, einen Vollrausch, damit man meint, es sei ein Traum und dann gute Nacht.
@ Oeko-Clown
Wie kann man den als Bürger, überhaupt noch den Banken vertrauen???
Die trauen sich ja selber nicht mal über den Weg, und dies mit gutem Grund.
Also Banken haben eine wichtige Aufgabe in der Kapitalallokation. Sie sind ein wichtiger Teil der Wirtschaft - ohne sie geht nichts.
Allerdings hat man unter dem Vorwand der “Globalisierung” faktisch die Konkurrenz abgeschafft. Beispiel Schweiz UBS und CS - die anderen Banken sind nur Detailisten dieser Grossbanken. Wenn die nun Geld brauchen erhöhen die einfach die Zinsen und der Mieter und Häuslebesitzer kann dann selbst schauen wie es weitergeht.