Das Tabuthema der Medien

30. September 2008 von McCarthy - 5 Kommentare

Jeder kennt sie, die funktionalen Analphabeten, Menschen, die nur mit Mühe oder gar nicht lesen und schreiben können, behinderte Menschen, zum Teil aber auch sehr schlaue Menschen. Doch um sie geht es nicht, sondern um das Gegenteil – und genau diese sind für weit mehr Dummheit in diesem Land verantwortlich, als die erste Gruppe, nennen wir sie mal alphabetisierte Ignoranten.

Darunter verstehen wir Personen, die zwar hervorragend lesen und schreiben können, aber keine Ahnung haben, über was sie schreiben. Gemeinhin nennen sie sich Journalisten …

Lebensläufe, die alles sagen

Früher, als die NZZ noch ein geachtetes Blatt war, beschäftigte es Journalisten von folgendem Kaliber:

Arnold Hottinger wuchs in Düsseldorf und Basel auf, studierte Orientalistik und Romanistik an der Universität Zürich, wo er 1952 promovierte. Weiterführende Studien verfolgte er in Paris, Chicago, Kairo und Beirut. Er spricht fließend Arabisch (nebst sechs weiteren Sprachen).

Man konnte mit ihm einer Meinung sein oder nicht, aber er verstand etwas von dem, wovon er schrieb. Doch nun ein Vergleich in die Gegenwart der NZZ. Hier der Lebenlauf von Daniel Weber, Redaktionsleiter:

Nach der Matura studierte er Germanistik und Anglistik an der Universität Zürich und verbrachte Studienaufenthalte in London und Dublin. Er promovierte bei Peter von Matt mit einer Arbeit über den Schweizer Schriftsteller Jörg Steiner und unterrichtete als Gymnasiallehrer.

Die SVP würde sagen, das sei der typische Fall eines Zeitgenossen, den man zuerst einmal ein Jahr in die freie Wirtschaft schicken müsste, damit er lernt, woher das Geld kommt. Aber das ist ja bei der NZZ schon lange nicht mehr nötig.

Doch es kommt noch dicker. Schauen wir uns zur Aufmunterung den Lebenslauf des Wirtschaftsexperten des Tagsanzeigers an:

Philipp Löpfe, geboren 1953, hat Anglistik, Ethnologie und Publizistik studiert und die Ringier Journalistenschule besucht. 

Wahrscheinlich brechen nun die meisten Leser in lautes Lachen aus, aber so etwas ist heute in den Redaktionen Alltag. Personen, welche nicht einmal in Hauptfach eines Studiums einen Abschluss oder promoviert haben, geben sich als “Experten”, Fachjournalisten aus*). Ihre wahre Qualifikation ist oft in erster Linie nur das Parteibuch.

Doch das Phänomen ist längst weit über die Politik hinausgewachsen. So schreiben solche alphabetisierte Ignoraten mittlerweile Berichte über das Kochen, Sport, Fliegerei oder elektronische Gadgets – im letzteren Fall hat kaum einer eine Qualifikation in Elektrotechnik. Oder sie geben sich als Fachleute für die Fliegerei aus, aber keiner hat eine Pilotenausbildung. Beispiele gibt es hier zuhauf und wir verzichten aus Pietätsgründen auf ein Beispiel (doch alle werden wissen, wer hier gemeint ist).

Die angeführten Curricula stammen bewusst aus der Ecke des “Qualitätsjournalismus”. Bei den Gratiszeitungen liegt die Messlatte nochmals tiefer. Aber wenigstens erhält der Leser hier den ganzen Mist kostenlos – das ist insofern ehrlicher.

Zeitungen verlieren Leser, warum?

Wer die letzten WEMF-Zahlen liesst, erkennt sofort, dass die Zeitungen immer mehr Leser verlieren, in der letzten Zeit sogar drastisch. Natürlich, Schuld ist das Internet – sagen uns die Medien – und wahrscheinlich bald auch noch die Finanzkrise. Schuld ist aber auf keinen Fall die sinkende Qualifikation der Schreiberlinge. Diesen Aspekt hat noch nie eine Zeitung thematisiert.

Warum gibt es bei Journalisten keine Qualitätsstandards?

Die Linken und Linksextremen kämpfen doch immer für mehr Transparenz: kein Fleisch ohne Herkunftsbezeichnung, Bio-Labels, usw. .. wie wäre es, wenn die Presse dazu verpflichtet würde, zu erwähnen, was der Schreiberling von Beruf ist? 

Eigentlich sollte man die Journis vor einem Interview immer zuerst fragen, was er für eine Ausbildung habe und – wenn er unqualifiziert erscheint- einfach die Auskunft verweigern. Am Inhalt ändert das so oder so nichts: das Meiste ist wie immer entweder frei erfunden oder zur Unkenntlichkeit verdreht. Eigenartigerweise immer nach links. 

 

*) Wer hier die Einrede bringt, man könne sich ja auch sonst irgendwie einarbeiten, soll sich doch das neue Hüftgelenk beim Dorfmetzger einsetzen lassen.

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  1. tjo und ich bin ein internet experte hihi

  2. Echnaton

    Im deutschsprachigem Raum bleibt da fast nur die FAZ als gutes Medium zurück. Es gibt immer mehr Medien und immer weniger Qualität. Wenn wundert es, wenn der Leser vermehrt zur Gratiszeitung greift? In den Bezahlzeitungen steht auch nichts Gescheiteres. Eigentlich schon blöd: die Zeitungen haben sich mit diesen Gratisblättern selbst den Sargnagel eingeschlagen.

  3. camocoma

    Klar, auch ich bewundere mittlerweile jeden, der im Feierabend-Zug mal was anderes liest als Blick am Abend. Die Qualität der Medien wird tatsächlich immer schlechter, mitunter steigt aber weiterhin gratis und kontinuirlich deren Anzahl. Wer nicht mit der Mainstream-Schiene (Tote, Unfälle, VIP-Scheiss…etc.) mitschreibt, geht als Querdenker-, Nischenprodukt oder garmöglich als “Linken-Blatt” ein.

    Klar auch, dass die vom mir zufällig mitgehörten Gespräche in den ÖV’s nicht spannender werden, sondern vielmehr dem miserablen grammatikalischen Inhalt der Klatschblätter und Gratiszeitungen gleichen- kauft euch lieber wiedermal ein Buch…mittlerweile gibts die auch online ; )

    oh, fast hätte ich es vergessen; …ebenfalls einen miserablen Gruss an alle Peitschenklatscher in den Redaktionen ! Loosers…

  4. schweinsleber

    ot:

    schon gesehen?
    http://www.nzz.ch/nachrichten/.....80838.html
    den chrigu durften sie letzten herbst platt machen, aber wenn sich einer gegen solche saumethoden wehrt, dann wird er gegrillt!

    p.s. was wäre wohl passiert, wenn man das mit einem linken bundesrat gemacht hätte?
    dann würde der, der die sache ausgeplaudert hätte, von der medienbande als held gefeiert!

    das ist das was mich an diesem staate so grässlich anwidert.

  5. baron77

    Irgendwann wird chinesisch, arabisch, eh Pardon islamisch, kosovarisch und sonst noch irgend ein “Kauderwelsch” gesprochen, resp. geschrieben. Hauptsache es klingt so richtig geschwollen und “fachlich”

    Früher hatte man solche Zeitungen zuletzt zum Abwischen des Po’s benutzt, ist zwar wegen Schwermetalle in der Druckerschwärze schädlich, hauptsächlich bei chinesischen Zeitungen. (Melamin)


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