29. September 2008 von Gastbeitrag - Noch kein Kommentar
Das Finale der Kulturförderung von Pro Helvetia in der Sparte Volkskultur, genauer das Programm „Echos“, im Herbst 2006 lanciert, ist seit einer Woche vorbei. Mit diesem sonderbaren Effort in der Volkskultur sollte offensichtlich Einfluss zu Gunsten eines neuen Kulturförderungsgesetz auf Bundesebene genommen werden. Pro Helvetia hatte sich jahrzehntelang nicht mehr um ihren gesetzlichen Auftrag gekümmert. Und das Fazit heute: Ein riesiger Werbeaufwand mit grosser Medienpräsenz im Vorfeld und das grosse Schweigen am Tag danach.
Wenn Pro Helvetia selbst die Kunst nicht versteht
Keine Medien wollten noch berichten, auch nicht über eine Bilanz der vorgängigen Projekte. Schweigen war angesagt über die Schlussveranstaltung in der Lokremise, selbst beim St. Galler Tagblatt, der Zeitung am Ort des Geschehens. Die vielen Fahnen wurden leise eingezogen. Ein grosser Flop und die Erkenntnis, dass die kulturpolitische Wirklichkeit nicht den Vorstellungen von Pro Helvetia folgt. Ein solches Programm kann nicht funktionieren, schon gar nicht wenn Berufskulturschaffende künstlich auf Volkskultur machen wollen, wenn Geld statt Herz der Antrieb ist. Volkskultur lebt nicht im Salon, Volkskultur lebt ohne intellektuelle Überhöhungen, ohne eine Zielsetzung nach Stars und Hochkultur – eben ganz einfach aus dem Volk heraus.
Wer die offiziellen Begründungen und Ziele für das Grossprojekt „Echos“ gelesen hat kann verstehen, woher der Graben zwischen adoptierter Elite- und Hochkultur à la Pro Helvetia und der Volkskultur kommt. Nehmen wir als Beispiel den in Echos zelebrierte Alpsegen mit dem Holztrichter. Der Alpsegen ist tatsächlich ein wertvolles Kulturgut – wer ihn in seiner Ernsthaftigkeit in der Stille der Alpen erleben durfte ist tief beeindruckt. Den Alpsegen salonfähig zu zelebrieren und mit neuen kulturpolitischen Texten zu versehen wie dies in „Echos“ als Innovation dargestellt wurde ist jedoch ein Greuel.
Wenn Kunst zur Provokation verkommt, nur um noch ein Rest von Aufmerksamkeit zu erheischen, dann sollte besser das Kapitel geschlossen werden. Auch die Verbindung unterschiedlicher Elemente führt zu leicht zu billigem Kitsch.
Hoffentlich hat Pro Helvetia diese Lektion gelernt, was angesichts der Verlautbarungen eher nicht zu erwarten ist. Es ist fast spürbar, dass der zelebrierte städtische Alpsegen mit dem Ruf des Muezzins vom Minarett im Sinne einer gelebten Völkerverständigung weiterhin irgendwie in Verbindung gebracht werden soll – welch ein Missgriff. Der markanteste Kommentar über Echos und die Schlussveranstaltung in St. Gallen konnte dann recht spät noch in der WOZ (linke Wochenzeitung) gelesen werden. Ihr Fazit: „Volkskultur für morgen“ liesse sich vielleicht auch anders bewerkstelligen. Warum nicht jedem Kind ein Musikinstrument schenken? Ende Zitat.
Den eigenen Auftrag nicht begriffen
Natürlich könnte die Volkskultur auch im guten Sinne gefördert werden, wie dies im bis heute gültigen Pro Helvetia Gesetz so prominent verankert und damit gefordert ist. Da steht im Gesetz wirklich der klare Satz in Artikel 2a zu den Aufgaben von Pro Helvetia: „die Erhaltung des schweizerischen Geisteserbes und die Wahrung der kulturellen Eigenart des Landes unter besonderer Berücksichtigung der Volkskultur“. Aber dies ist offensichtlich den Machern der Elite-Kultur ein Dorn im Auge. Sie wollen deshalb im neuen Gesetz nichts mehr von Volkskultur wissen. Selbst der Erfolg eines Ruedi Rymann mit seinem „Schacherseppli“ kann da nicht beeindrucken.
Pro Helvetia will unter der heutigen Intensionen nicht fördern was gut ist, sondern nur das was gemäss eigenen elitären Experten noch zu verbessern und umzuformen ist, Stichwort Innovation. Zusätzlich sollen förderungswürdige Projekte eine Verbindung zu andern Kulturen haben – Multikultur. Aber dies sind Ziele, die im frontalen Gegensatz stehen zum heutigen Pro Helvetia Gesetz. Wohl darum wurde in der Botschaft zum neuen Gesetz jeglicher Bezug zur Volkskultur herausgestrichen. Offenbar sollen die 33 Millionen Franken an jährlichen Fördergelder nun legal in die professionell ausgerichteten Gruppeninteressen umgeleitet werden. Kultur ist immer auch Politik – das sind sich alle bewusst. Die Volkskultur wird lediglich noch benötigt, um ein beruhigendes Mäntelchen um die längst beschlossene Multikultur im BAK zu legen. Viele Leute aus der Volkskultur haben diesen Missbrauch ihrer Arbeit erkannt und sich entsprechend distanziert.
Schweizerische, linke Staatskultur
Es macht heute tatsächlich den Eindruck, dass das neue Kulturförderungsgesetz als Abwehrgesetz gegen den wachsenden Einfluss der bürgernahen SVP konzipiert wurde. Mehr Hirschhorns lautet die Devise und dies wird wacker gefördert. Dass die Linke noch nie etwas mit der Volkskultur am Hut hatte war bekannt, dass aber die Mit-teparteien mit eingestiegen sind in dieses linke, unnötige Kulturförderungsgesetz, ist sehr bedenklich.
Nun – „Echos“ ist Geschichte, aber noch nicht vergessen. Die versuchte Instrumentalisierung der Volkskultur für politisch motivierte Zwecke mit Hilfe von Steuergeldern bleibt ein Faktum. Der Stachel sitzt nach wie vor tief und das Misstrauen gegenüber den elitären Wohltätern ist gewachsen. Das neue Kulturförderungsgesetz ist darum ganz klar eine Missgeburt.







