19. August 2008 von Kulturbereicherer - 8 Kommentare

Manchmal erscheinen Interviews, die eigentlich gar nicht für die Leser bestimmt sind, sondern sich an eine Behörde richten. Schawinski durfte in der Weltwoche zuhanden des Bakoms und des Bunderates seine Sicht der Dinge darlegen.

Was im Interview gesagt wurde, interessiert eigentlich die Leser kaum. Interessant ist, über was man redet. Im ersten Teil liest man Einsichten von Schawinski, die Winkelriedlesern längstens bekannt sind:

Drittens die Meinungsvielfalt. Auch hierzu tragen wir (Radio 1, die Red.) bei, da ich völlig unabhängig bin. Tamedia breitet sich krakenartig über die Schweiz aus und hat auch die Region Zürich medienpolitisch immer mehr im Würgegriff. Die erschlagen alles mit Geld. Allein das neue Internetportal beschäftigt vierzig Leute.

Tja, die Konkurrenz zu Winkelried soll halt auch was kosten. Ob ein weiterer lauschiger Maintream-Pupser wirklich die Meinungsvielfalt bereichert? Und weiter …

Herr Lebrument hat zum Beispiel als Präsident des Zeitungsverlegerverbandes eigenmächtig nicht wie üblich den Bundespräsidenten an die Verlegertagung eingeladen, sondern Frau Widmer-Schlumpf. Und sein Chefredaktor Andrea Masüger ist inoffizieller Berater von Frau Widmer-Schlumpf. Offenbar erhofft er sich dadurch politische Vorteile im Konzessionsverfahren. 

Huch ja, der Streit bringt also doch was ans Tageslicht …

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat jetzt tatsächlich das von Lebrument geschaffene Gebiet ausgeschrieben. Die von ihm erfundene Region bekommt die höchsten Splittinggebühren der Schweiz. Lebrument hat dort ein totales Monopol: alle abonnierten Zeitungen, das einzige Radio, das einzige Fernsehen. Er bekäme 5 Millionen Gebührengelder pro Jahr. In 10 Jahren wären das 50 Millionen - so etwas wie ein gewaltiges Erbe an seine drei Nachkommen, das er mit Lobbying und nicht mit wirtschaftlicher Leistung geschaffen hätte! Ein staatlich finanziertes Medienmonopol ist der Gipfel der Perversion. Nun ist Lebrument in Panik geraten, weil er befürchtet, dass ihm dieses seit Jahren minutiös geplante Manöver in letzter Minute in die Hosen gehen könnte. 

Als ob man nicht wüsste, dass die Medienlandschaft ein einziges Gemauschel ist. Doch dann schwenkt das Interview plötzlich:

Ich persönlich bin gegen die SVP, gegen ihre Verunglimpfungspolitik. Blocher müsste jetzt sagen, dass er als Bundesrat nicht mehr zur Verfügung stehe. Dann könnten wir uns alle entspannen. Sogar die SVP-Oberen warten darauf, auch wenn sie sich noch nicht öffentlich getrauen, es zu formulieren. Blocher muss aufhören zu glauben, dass er das Recht hat, die Partei, die er aufgebaut hat, aus Ego-Motiven auch selbst wieder zu zerstören. Wenn er noch lange so weitermacht, wird er auch das schaffen.

Als ob jemand auf dieses Statement gewartet hätte. Und dann gleich das nächste …

Ich war jetzt vier Jahre lang in Deutschland. Dort habe ich erlebt, wie man aufgrund der eigenen Geschichte dankbar ist für mehr als sechzig Jahre Frieden in Europa, etwas, das noch keine Generation vorher erleben durfte. Deshalb geht man dort mit Minderheiten und in Bezug auf die Solidarität mit Ländern in Osteuropa viel vorsichtiger um als bei uns. In der Schweiz fehlt diese Sensibilität teilweise.

Was lernen wir aus diesem Interview:

  1. Wer sich nicht von Blocher distanziert, kriegt keine Konzession.
  2. Wer sich nicht in der Aussenpolitik der Meinung des Bundesrates unterwirft, auch nicht.
(Weltwoche)

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  1. Rudenz

    Hallo Kulturbereicherer

    Nicht zu vergessen:
    3. Die heutige via Konzession und Splittinggebührten gekaufte Desinformation muss von den Desinformierten auch noch selber bezahlt werden.

  2. Arizona

    Meint ihr wirklich, der Schawinski sei blocherfreundlich? Nein. Dann erhält er nach dieser einfachen Logik also eine Konzession. Doch die anderen sind ja auch gegen Blocher! Erhalten dann alle eine Konzession? So einfach ist es nicht. Schawi wird kann seine Connection spielen lassen, welche ja noch stark vertreten ist in Bern. Auch er ist ein Mauschler und würde um sein Ego zu befriedigen (fast) alles machen.

  3. Jerry

    Ich hoffe, die Winki-Community verzeiht mir als Ultra-Rechten, dass ich ausnahmsweise einen Linken verteidige. Schawi ist einer der wenigen Linken, welche nicht einfach gegen Rechts jaulen, sondern einer der in der Weltwoche und in seinen eigenen Medien konstruktiv diskutiert. Er ist auch einer der allerwenigsten Linken, welche damals im 68 grosse Sprüche klopften und dann tatsächlich etwas erreichten (besonders interessant: Als staatgläubiger Linker knackte Schawi ausgerechnet das mediale Staatsmonopol und boxte Privatradios und -Fernseher durch!). Und er ist einer der wenigsten linken Medien-Tycoons, welche in ihren Produkten entweder neutral, fundiert-satyrisch oder tolerant berichten. Seit Schawis Abgang von Radio 24 ist der Sender eine schlichte Katastrophe; Radio 1 kann ich dafür wärmstens empfehlen. Leider für die meisten von uns nur in Ausnahmefällen zu empfangen: Im engsten Raum Zürich, auf 93.00 mHz.

  4. Rudenz

    Hallo Jerry

    Ich mag den Schawi auch. Grosse Röhre, aber was dahinter.

    Gruss an Schawi von Rudenz.

  5. Einfach weil er “en geile Siech ist” hat er seine Konzession nicht bekommen.
    Nicht vergessen: wer Konzession will, mus dem Waschlappenberger Moritz genehm sein, sonst nix sendy sendy….
    capito?

  6. Jerry

    Wenn die Aussagen der Zeitgenossen stimmen, waren Rogi, Elmi, Moritz und - Achtung! - Christoph Studienkollegen. Kommilitonen zwar (wegen verschiedener Studienfächer) eher nicht, aber sie kannten sich wohl aus der Mensa und, mit Ausnahme von Chrigi, von den Demos, WGs und Debatierclubs. Nun ja, Verflechtungen hin oder her, im Gegensatz zur SP-nahen Ta-Media betreibt Schawinski einen einigermassen neutralen Journalismus; oder ist immerhin fair zur Rechten. Er hat die Konzession ebenso verdient wie Moritzli die längst überfällige Abwahl. Und noch ein ganz persönlich gefärbtes Statement: So selten ich leider Radio 1 hören kann; die Musik fetzt und die Moderatoren/innen begeistern! Eben Radio für Erwachsene. Hey, ich habe keine Aktien:)

  7. Echnaton

    … stimmt nicht …. Schawinski hat an der HSG studiert. Er ist Dr. für Tourismus. Das ist jene Vertiefungsrichtung von Prof. Caspar, die am Montag mit den Ski einrückt, weil sie auf Exkursion gehen. Das Wochenende brauchen die dann zum ausnüchtern.

  8. Jerry

    Hm, verwirrt mich nun ein Bisschen. HSG okay, da werden gutverdienende nichtsbringende Sesselfurzer produziert, die aber immerhin einen steinigen Weg dorthin hatten. Aber ich dachte einerseits, dass es für Tourismus keinen Doktortitel gibt. Und andererseits war ich stets der Meinung, dass Schawi in irgend einem ökonomischen Fach promovierte. Aber seien wir ehrlich; wir schweifen ab. Sein Lebenswerk schreibt Geschichte, ob links oder rechts, ob schlecht oder gut. Wenn Linke unbedingt sein müssen, dann bitte Schawis.


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