4. August 2008 von Echnaton - 4 Kommentare
Wohl nichts liefert besser ein Ebenbild der Schweizer Presse, als die alljährliche Berichterstattung zum 1. August. Die Medien haben hier fix folgende Ereignisse im Programm:
- die Rechtsextremen (Igitt-wie-pfui-Beitrag)
- die 1. August-Feier in Berlin
Vor allem das zweite Ereignis, wofür das EDA ca. 100 Journis*) auf Staatskosten nach Berlin jettet, ist besonders bizarr. Die Journis können dort “all inclusiv” eine Woche herumhängen. dieses Jahr durfte sich die Widmer-Schlumpf dort profilieren. Zuhause getraut sie sich ja kaum mehr unter die Leute.
Der Zufall wollte es, dass ich dieses Stell-dich-ein einmal selbst miterlebt habe.
Die misslungene Gartenparty …
Am 1. August 2005 spazierte ich in Berlin Unter den Linden entlang. Plötzlich hörte ich aus einer Seitengasse ein Alphorn blasen. Auf einem kleinen Platz, etwa 50 mal 50 Meter gross, hatte der Milchproduzent Emmi 8 Stände aufgebaut und verteilte Milchshake an eine Gruppe Rentner, die mit Bussen von einem Altersheim „herangekarrt“ wurden. Der Zufall wollte es, dass ich einen Botschaftssekretär traf, einen Studienkollege, der in grosser Eile mithalf, die Stände abzubauen. Der Platz musste bis 12:00 Uhr Mittag wieder geräumt sein. Am Abend fand dann noch ein Fest in der Botschaft statt, an dem sogar noch der Alt-Aussenminister Genscher kurz vorbeischaute – Kostenpunkt 3000 Euro. Alles in allem kaum mehr als eine misslungene Gartenparty.
… wird von der Presse zur grössten 1. August Feier hochgejubelt
Was aber schrieb die Schweizer Presse? „Die grösste 1. August-Feier der Schweiz fand in Berlin statt“ (Titelseite des Boten der Urschweiz, 2. August 2005)! Angebliche hätten „Tausende“ daran teilgenommen und in der Presse sei die Resonanz riesig gewesen… **)
Ich rief den Chefredakteur an und frage ihn, ob er dann dieses Fest miterlebt habe. Er sagte: „Ja“. Er hätte sogar eine Woche vorher hinfliegen können, inkl. Hotel, alles bezahlt vom EDA (schw. Aussenministerium). Und er war nicht der Einzige, der auf dieses Reisli durfte. Ich bedankte mich. Mehr gab es dazu auch nicht mehr zu sagen.
*) preferenziell dürfen die Provinzjournis nach Berlin. Die handverlesenen Oberjournis (NZZ, Tagi,..) dürfen in der Regel mit dem Bundespräsidenten auf Weltreise. Immer zahlt der Bund (= unabhängiger Journalismus?).
**) faktisch erschienen mehrere Inserate, die auf den Anlass aufmerksam machten. Ein Gratisblatt schrieb dann noch einen PR Artikel über den Anlass. Dann erschien auch noch ein klappriger VW Bus eines alternativen Lokalsenders, der ca. 3 Minuten darüber berichtete. Der Journi bekam von einem Mitarbeiter der Botschaft 100 Euro zugesteckt (habe das persönlich gesehen!).
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… vielleicht dürfen Blogger auch bald mitfliegen ?
Darf ich auch mitfliegen?
Ich würde auch gerne mitfliegen! Darf ich auch später als alt-Nationalrat mitfliegen? Von dort ist es nämlich nicht mehr so weit ins Baltikum zu den Nobelhuren!
[...] ist diese Meldung wieder die alte EDA-Propaganda. Also, liebe Eidgenossen, das Problem der Antifa muss geloest werden - und wir werden es [...]