Winkelried

24. Juni 2008 von Herakleitos - 19 Kommentare

Die Katastrophe von Tschernobyl übersteigt alle anderen, nicht nuklearen Industriedesaster. 2006, 20 Jahre nach dem Reaktorunfall, legten die UN-Behörden, die die Folgen in den drei betroffenen Ländern Weißrussland, Russland und Ukraine über viele Jahre intensiv untersuchten, einen umfangreichen Bericht vor. Beteiligt waren unter anderen die IAEA (Internationale Atomenergiebehörde), die WHO (Weltgesundheitsorganisation), UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen) und Unicef (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen).

Fazit der UN-Untersuchung:

Beim Reaktorunfall kamen 47 Helfer der Aufräumtruppe durch tödliche Strahlendosen um. Rund 4000 Kinder aus der Umgebung erkrankten durch das entwichene Jod 131 an Schilddrüsenkrebs. Davon starben neun, da diese Krankheit heute gut heilbar ist.
Statistisch soll die Zahl zusätzlicher Krebsfälle in den nächsten Jahrzehnten circa 4000 betragen. Die können aber nicht konkret festgestellt werden, da der Krebs seine Ursache nicht verrät. Dies alles ist ein schreckliches Unglück, liegt aber bei Weitem unter den in Deutschland prognostizierten Zahlen.
Hierzulande war immer wieder von Hunderttausenden Toten zu lesen, die angeblich durch die Reaktorkatastrophe umgekommen seien.
Die von den UN ermittelten Fälle sind erschütternd, eines belegen sie jedoch nicht: dass die Dimension des Tschernobyl-Desasters alle anderen Technikkatastrophen übersteigt. Bei dem Chemieunfall in Bhopal, der heute in Europa weitgehend vergessen ist, starben nach der niedrigsten Angabe 3800 Menschen, und Hunderttausende wurden verletzt.

Krasses Fehlverhalten

Tschernobyl war einer der größten Industrieunfälle des 20. Jahrhunderts, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Gegen Tschernobyl als finales Anti-Atom-Argument spricht auch der Umstand, dass der Unfall, wie später nachgewiesen wurde, durch extremes Fehlverhalten der verantwortlichen Ingenieure geradezu provoziert wurde.

(Welt.de)


  1. Hollyday

    Poh nur so wenige, da gibt es im Atomtestgelände der Sozialisten in Kasachstan mehr Opfer.
    Als linker bin ich grundsätzlich für die Tschenobyl Katastrophe, deshalb fordere ich einen Stopp für sichere Kernkraftwerke in der Schweiz. Ich beziehe meinen Strom in der Zukunft lieber aus den unsicheren Atomkraftwerken Osteuropäischer Länder.

  2. sind diese angaben verifiziert oder nur wieder eine studie mit einem anderen auftraggeber?

  3. Echnaton

    die Quellen sind erwähnt …

  4. fundichrist

    Ich als “fundichrist” bin FÜR Atomkraftwerke, denn in der Offenbarung finden wir meines Wissens keine Hinweise auf eine endzeitliche atomare Katastrophe, da wird anderes “Ungeziefer” beschrieben, welches auf uns zukommen wird oder schon unter uns lebt (…).

  5. Brandhorst Ulrike

    Zitat;” Tschernobyl war einer der größten Industrieunfälle des 20. Jahrhunderts, nicht weniger, aber auch nicht mehr.”

    Selten hab ich so ein undifferenzierten, verharmlosenden Schwachsinn über Tschernobyl gelesen wie diesen Bericht hier. War der Autor schon mal in der Gegend dort ? Weiss er, dass tausende von Quadratkilometer dort noch für Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte Sperrgebiet sind ? Weiss, er dass die Missbildungsrate von neugeborenen Menschen und Tiere signifikant höher ist als normal ?

  6. Echnaton

    Ja, der Autor war in der Gegend.

  7. elminster

    Und jetzt? Die Welt gibt es nach Tschernobyl immer noch, aber das wusste ich auch ohne diesen Artikel….

    Was war der Sinn dieses Postings? Wieder einmal über die bösen “Linken” schimpfen?

    Ich glaube niemand von uns will so etwas wie Tschernobyl erleben und deshalb sollte man dieses (und andere Zwischenfälle) Unglück nicht verharmlosen; andererseits darf man dieses Unglück nicht dazu missbrauchen einen gesamten Technologiesektor zu diskreditieren (ich bin eigentlich für die Atomkraft)!

  8. @elminster
    “andererseits darf man dieses Unglück nicht dazu missbrauchen einen gesamten Technologiesektor zu diskreditieren” 100% einverstanden.
    Doch leider wird das genau missbraucht um die Atomenergie zu diskreditieren, aus welcher politischer Ecke muss ich wohl gar nicht erwähnen.
    Ich muss immer wider über Bodemann`s Beiträge in der Weltwoche lachen, der träumt von einer Welt voller Solarzellen und Windmühlen die sogar noch rentabel sein sollten.
    Leute wie er, die den Kapitalismus abschaffen wollen, sind genau jenen die die Nuklearenergie am liebsten bekämpfen.
    So einer war mal SP Boss, unglaublich!

  9. Raucher

    Nun ja, Weissrussland ist etwa 6 Mal grösser als die Schweiz. Die hatten Platz um Menschen umzuquartieren. da kurze Strahlungsimmisionen nicht so schlimm sind und Tschernobyl irgendwo im Niemandsland ist kamen sie mit einem Blauen auge davon. Aber bei uns müsste das ganze Land ins Exil gehen…

    183,9 Einwohner pro km² Schweiz
    47 Einwohner pro km2 Weissrussland

  10. elminster

    Schlechtmensch: es gibt in jeder Partei dumme Menschen…
    Atomkraft hat Vorteile und Nachteile, man muss beides betrachten

  11. elminster

    Mythos hin oder her: Atomkraft ist ok solange man sie gut kontrolliert. Jetzt allen Gegnern von Atomkraft Hysterie vorzuwerfen ist aber auch etwas zu einfach; siehe “Three Mile Island” 1979 und der Kyschtym-Unfall (UDSSR) am 29. September 1957, wo ein vielfaches an Radioaktivität von Tschernobyl freigesetzt wurde (auch mehr Tote; einziger Unterschied zu Tsch.: momentan noch lokal begrenzte Radioaktivität).
    Ich bin für Atomkraft, verstehe aber die ängste einiger Menschen.
    MFG

  12. @Elminster
    Dann wäre es doch ein Gedanke wert, statt das Geld in Quixottischen niemalsrentablen Windmühlen zu investieren, die Sicherheit der Kraftwerken zu perfektionieren, die sowieso angeblich schon sehr sicher sind.
    Tschernobyl war ein ungewartetes Wrack, das Geld für die Wartung versickerte in den Taschen von Parteitreuen Funktionären des kommunistischen Zentralismus.

  13. elminster

    @Schlechtmensch: Naja, der Zwischenfall bei “Three Mile Island” 1979 (INES 6) passierte in einem amerikanischen System; und hier war nur menschliches Versagen/Fehlverhalten schuld…(wobei man heute solche Fehler wahrscheinlich nicht mehr machen würde!)

    Ehrlich gesagt habe ich ein Flair für Alternativenergien und zwar nicht weil es irgendwie ideologisch “besser” ist, sondern weil es eine grosse Chance gibt dass es einfach unsere Zukunft ist: Uran und fossile Energien sind von Natur aus beschränkt (selbst die optimistischten Prognosen bestätigen dies…) und unsere Kinder werden auch Energie brauchen! Deshalb sollte man sich wenigstens das Knowhow so schnell wie möglich aneignen, um in der Zukunft wirtschaftliche Vorteile zu haben. Dies betrifft aber alle Möglichkeiten um an Energie zu kommen.

  14. So ist es, auch Atom hat Zukunftpotential.
    Die arbeiten an der Umkehrung des Prozesses (Zusammenschiessen statt auseinander, Name entgeht mir jezt).
    Alternativenergien soll man auch entwickeln.
    Ich finde einfach , dass heute durch politisch bedingte Angstmacherei zu schnell völlig Wirtschaftsfeindlichen Massnahmen getroffen werden die u.U. gar nichts bringen, statt überlegt am Werk zu gehen.

  15. elminster

    Ja Kernfusion ist wahrscheinlich ein interessantes Gebiet! Nur muss man auch beachten, von wo man das zusätzliche Uran bekommt (wahrscheinlich ein zukünftiger Anlegertipp…) und wo man die Reste verbudelt. Sonst evt. riesiges Potential.

    Auch ich bin nicht so begeistert vor der Angstmacherei gewisser Politiker vor diesem Thema; nur gibt es halt doch Menschen die konkrete Aengste vor dieser Thematik haben und man muss diese beachten!
    Ausserdem entwickeln gewisse User hier auf Winki ja noch ganz andere Aengste vor noch ganz unlogischeren Themen…z.B. um polemisch zu klingen: Die Gefahr einer Islamisierung von Europa ist für mich genau so irrational wie die Verteufelung des Atoms!
    MFG

  16. treffer

    “Die Gefahr einer Islamisierung von Europa ist für mich genau so irrational wie die Verteufelung des Atoms!”

    super formuliert!

  17. Zorro

    Wegen der CO2 Hysterie, wird wieder auf die Atomkraft gesetzt.
    Danke Ihr Grünen, Linken und Netten. Ich verabscheue eure Ideologie.

  18. @elminster und treffer
    Die Islamisierung europas ist zwar wahrscheindlicher als ein Atomvorfall.
    Geht nach Kreuzberg und Neuköln um es zu erleben.

  19. Freak

    Kurz etwas zur Kernfusion. Sie hat, ausser dass es sich auch um nukleare Energie handelt, nicht sehr viel gemeinsam mit der heute genutzten Atomenergie. Auch braucht es dazu kein Uran, wie von elminster geschrieben. Fusioniert werden Wasserstoffkerne und als “Abfallprodukt” entsteht ungefährliches Heliumgas. Nur haben wir das Problem, dass diese Energie wohl frühstens in 50 Jahren marktreif ist.
    Ich bin auch kein Fan von Horrorszenarien und Tschernobil war eine Katastrophe, die sicher hätte verhindert werden können und so heute auch nicht mehr passieren würde. Aber wenn man dann wieder so Geschichten liest wie kürzlich in Südfrankreich, dann fragt man sich eben auch, wann wohl der nächste wirklich grosse Unfall passiert.
    Noch etwas zur Rentabilität von alternativen Energien: Es stimmt vielleicht, dass zur Zeit Wind- und Solarenergie noch nicht den Billigpreis von Atomenergie erreicht haben. Aber zumindest bleibt in ihrem Fall die gesammte Wertschöpfung in der Schweiz. Ich spreche von Forschung, Produktion, Installation und Wartung. Bei der Atomenergie kommt das Uran aus dem Aussland, ebenso die Technologie der Reaktoren.






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