29. März 2008 von Echnaton - 14 Kommentare

drohne_schweizerarmee.jpg

+++ Update +++

Nun berichtet der Tagesanzeiger besserwissend - wahrschienlich inspiriert durch diesen Beitrag - die Polizeivorsteherin der Stadt Zürich Esther Maurer (SP), hätte den Einsatz von diesen Drohnen bewilligt. LACHKRAMPF! Seit wann kontrolliert die Stadtpolizei Zürich den Luftraum? Alles was höher als 150 m fliegt, bedarf einer Bewilligung des Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). Und es ist vollkommen ausgeschlossen, dass diese Drohnen auch nur in der Nähe von An- und Abflugsrouten des Flughafens fliegen dürfen. Im Falle einer Kollission gäbe es eine Katastrophe. So ein Risiko wäre in keinem Verhältnis für ein paar verwackelte Photos von falschparkierendem Fussballfans.

Im Bericht des Tagesanzeiger wird dann auch noch über den Einsatz von kleinen Spielzeugdrohnen fabuliert. Wir nehmen mal an, dass der Tagi da “Reversed-PR” für die Maurer macht. So kann dann doch behauptet werden, die Stadtpolizei hätte Drohnen eingesetzt, wenn auch vollkommen unbrauchbare (So ähnliche kann man an jedem Tankstellenshop kaufen).

Hier die Berichterstattung im Tagesanzeiger.
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Die Zeitungen sind voll von der Berichterstattung über die Drohne. Sensationell was dieses motorisierte Töffli alles können soll: Demos und Fussballspiele überwachen, Terroristen fahnden, Schmuggler entlarfen.

Die Realität ist eine ganz andere: das Ding würde an einem Modellflugtag höchstens einen Trostpreis bekommen. Wenn es dann auch tatsächlich mal fliegt, muss es gar noch von einem Helikopter begleitet werden, damit es anderen Flieger nicht in die Quere kommt. Dass die Kosten dann insgesamt fast so hoch sind wie die eines Jets, ist wohl ein Staatsgeheimnis.

Nun huppt die Schweizer Armee herum, dass sie mit dieser Drohne die Fussballfans an der Euro überwachen will. In fliegerischen Kreisen löst diese Ankündigung Lachkrämpfe aus. Die Fussballspiele finden in den Städten statt, welche so oder so nur kontrolliert überflogen werden dürfen. Zu allem Elend befinden sich dort noch gerade die Anflugrouten auf die Flughäfen. Auf die Schlagzeile “Flugzeuge nach Kollision mit Drohne abgestürzt” ist wohl niemand scharf.

Doch selbst wenn die Drohne über die Städte fliegen dürfte, mehr als ein paar verwackelte Bilder gäbe es nicht. Ein Polizist vor Ort täte es auch und hätte erst noch die bessere Wirkung.

Die ganze Übung ist nichts als ein Propagandafurz der Armee. Dumm nur, dass die Journalisten nichts merken. Und noch dümmer ist, dass der Schweizer Steuerzahler diese staatliche und sündhaft teuere Modellfliegertruppe finanzieren muss. Man kann ja nach den neusten Meldungen schon froh sein, wenn nicht alle zugedröhnt sind.

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  1. asylstrasse

    Nur als Hinweis, Drohensysteme werden von der Armee subsidiär eingesetzt. D.h. nichts anderes, als dass die Polizei die Bedürfnisse anmeldet. In diesem Zusammenhang sei ebenfalls darauf hingewiesen, dass nicht die Armee die Bilder auswertet, sondern die jeweiligen Polizeikommandos der Austragungsorte. Über Sinn und Unsinn kann man sich - wie immer - streiten.

    Bedenkt man aber, dass mit Hilfe von luftgestützten Überwachungsmittel verschiedenste Polizeimittel schneller an den richtigen Ort gebracht werden können, macht der Einsatz von Drohnen absolut Sinn. Vorausgesetzt, der Wille der entsprechenden Polizeikommandanten besteht, ungeplante und gewalttätige Menschenansammlungen mit allen Mitteln aufzulösen. Dass dies dann wiederum ein politisches Problem und nicht eines der Armee ist, sollte nicht vergessen werden.

    Btw, dass die Drohne tagsüber von Flächenflugzeugen oder Helikoptern begleitet wird, hat seine Gründe darin, dass keine Gleitschirmflieger, Hobbypiloten oder sonst welche Amateure gefährdet werden. Das Armeesystem verfügt über einen Transponder und ist somit bei der Skyguide “angemeldet” und deshalb sicherheitstechnisch problemlos.

    Ausser ebenm, wenn irgendein Plausch-Richthofen meint, er müsse seinen Immelmann höchst publikumswirksam zur Anpfiffszeit über dem Joggeli fliegen.

    Insofern ist die Sache mit den Drohnen grundsätzlich eine Gute, wenn sie entsprechen genutzt und umgesetzt wird. So wie die Armee ja im Grunde auch eine nützliche Institution ist, ausser sie stampft Pisten in Crans-Montana oder kocht Fondue am Eidgenössischen…

  2. So einfach ist das nicht ….

    Die Drohnenflüge müssen zuerst angemeldet werden. Das NOTAM wird 24 Stunden vorher veröffentlicht, damit die “Hobbypiloten” dieses einesehen können. Von raschen, spontanen Einsatz kann keine Rede sein. Jeder Dorfpolizist ist mit dem Dienstvelo schneller vor Ort als die Drohne.

    Nachts fliegen die Drohnen wohl kaum … Beamte haben um 17:00 Uhr Feierabend (mal von einer Nachübung abgesehen). Der Film, den die Drohne nachts macht, heisst übrigens “Negerkampf im Tunnel”. (ja, ja Infrarot).

    Was hat die Polizei davon, wenn sie am Tag danach ein Photo von einem Falschparkierer bekommt. Die Autonummer ist eh nicht lesbar, entweder verdeckt oder zu geringe Auflösung.

    Kunstflug muss vorher bewilligt werden und darf nicht über besiedeltem Gebiet stattfinden.

    Das Transpondersystem kann in der Regel von den anderen Flugzeugen nicht geortet werden (Anti Collision System). Auch wenn die Drohne ein lahme Ente ist, muss sie vom Fluglotsen erst gesehen
    und dann der Verkehr umgeleitet werden. Zürich Approach wird wahrscheinlich schnell regieren, bis aber die Bezirksleitstelle den “distress traffic” gemacht hat, kann man nur beten.

    Sicherlich macht die Drohne Sinn in Finnland, wo mehrere 1000 km unbewachtes Gebiet/Grenze bewacht werden soll, aber in der dicht besiedelten Schweiz ist sie ein fliegendes Hindernis ohne jeden Wert. Ein Spielzeug!

  3. asylstrasse

    Naja, ich denke nicht dass wir uns hier finden werden…

    Aber vielleicht noch zur Ergänzung: Drohnen, Helikopter, Wasserwerfer, “fahrende Gitter” gelten in der Sicherheitsbranche als High Asset Values. Und diese kann man in direkten Mannzahlen bemessen. Da bräuchte es schon einige Velopolizisten, welche sich übrigens, in Kombination mit einem Ereignis wie der EURO auch ein paar Wochen vorher bei der Bevölkerung “anmelden”.

    Ich gehe hier nun sogar soweit, dass ich sage, eine Drohne ist in der Schweiz das einzige polizeitaktische mittel welches wirklich Sinn macht. Denn wenigstens weiss man da wass man hat (oder in Bezug auf Autonummern eben auch nicht). Von einer bodengestützten Deeskalationskultur von Stadpolizisten mit “Konfliktlösungs-Team” T-Shirts kann nämlich nicht viel erwartet werden.

    Was in diesem Zusammenhang auch noch recht interessant ist, in Österreich sind in diversen Austragungsorten bisher noch keine Sicherheitskonzepte erprobt worden, geschweige denn genügend Personal zur Unterstützung rekrutiert. Da geht man jetzt auf breitgestreute Sicherheitsdienstmitarbeitersuche nach der Methode “Wer will noch mal, wer hat noch nicht.”

    Ich für mich freue mich dann schon auf die Selbstbeweihräucherungen nach der EURO, wenn dann glücklicherweise wiedereinmal mehr nichts passiert ist, und sich alle gegenseitig auf die Schultern klopfen und zu ihren nicht selbst verschuldeten Erfolgen gratulieren und sich mit noch besseren “Pöstli” in den jeweiligen Verwaltungen belohnen.

  4. Vielleicht hast Du mehr sicherheitstechnische Erfahrung als ich. Ich sehe es aus der Sicht der Fliegerei und da hat man gar keine Freude, wenn da so ein Blindgänger durch die Luft spaziert.

  5. Was die Volksvertreter sich noch alles einfallen lassen um die Steuern hoch zu halten oder nicht zu senken….
    Unter solchen Umständen überraschten es mich keinerlei Verprassungs-Spielchen mehr….

  6. framei

    ich halte von solchen Überwachungsmethoden nicht allzuviel, aber warten wir erst mal die EM ab und die mit den Drohnen produzierten Zitterfilmchen. Viel wichtiger wäre mir, dass solche Drohnen nicht für jedermann käuflich sind, was aber offenbar gemäß eines TV-Berichts eines deutschen Fernsehsender leider nicht verwehrt wird oder werden kann. Da freuen sich alle Einbrecher und sonstigen Halunken, denn so macht Einbrechen richtig Spaß.

  7. schweinsleber

    ich verstehe gar nicht, was ihr gegen die grossartige armee bremse (bräma) habt.

  8. asylstrasse

    Der Bundesrat hat bereits 2006 den Einsatz der Aufklärungsmittel der Luftwaffe zu Gunsten des nationalen Einsatzstabes während der EURO 2008 genehmigt, analog dem Beschluss vom 5. Juli 2006 betreffend den Einsatz der Drohnen und Helikopter zu Gunsten des Grenzwachtkorps. Das BAZL führt da nur noch aus.

    Und wie gesagt, bei den massiven Minderbestände in den Polizeikorps ist denen jede Unterstützung willkommen, und wenns am Schluss nur darum geht, im Falle der Katastrophe, den schwarzen Peter jemandem anderen weiterzuschieben.

    Wenn nun die Schmier in zivil mit der Handycam herumfilmen oder die Armee offiziell im Einsatz steht, scheint, vor allem im letzteren Fall auch nur den Zürcher Datenschutzbeauftragen und alle seine linken Kumpanen aufzuregen:

    Ich für meinen Teil tipp mal auf ein 0:0 im Final “Türkei vs. Niederlande”. Denn spätestens wenn Ali, Mehmet und Musti nach 10 Minuten Spielzeit ihre Gehstocksäbel blankziehen, dann hört sich der Spass auch in Wien auf….

  9. eidgenase

    Sie haben doch keine Anuhng, asylstrasse, was für ein Blödsin das ist dise dronen. Die kosten wider mal den steuerzaheler viel geld. Wer darf zahlen, der Steuerzahler und die Linggen freuts wider mal! Ich unterstütze kulturbereichrer 200% in seiner ansicht. zudem hat er erfahrung im fliegen

  10. @eidgenase
    asylstrasse hat dafür sicherheitstechnische Erfahrung. Einfach in Zürich ist der Einsatz der Drohe im Umfeld des Station nicht möglich, in Basel und Bern auch nicht. Die Dinger sind zu Nahe am den Korridoren. Denkbar wäre allenfalls der Einsatz über dem Mittelland, aber auch dort ist es zweifelhaft, weil auch viel General Aviation um die Euro unterwegs ist.

    Die Drohne ist sicherlich ein gutes Aufklärungsmittel im Krieg, aber über dem Mittelland ist es zu gefährlich.

  11. eidgenase

    ok, danke für die Info. Hofe, mir stürtzt nicht so ein Ding auf die hütte! ;-) ;-) ;-). Denke die sind nicht ungefärlich (im ernst!!!). Man muss sich vorstellen jemand übernimmt die kontrole. Sind ja doch sehr gross die Dinger.

  12. Eine Katastophe wäre die Kollission eines Passagierjets über Zürich während der Euro, das wäre der Supergau.

  13. Drohnen mögen auf dem militärischen Sektor notwendig sein. Zur Kontrolle von Fussballspielen etc. - einfach lächerlich. Das ist mal ein fettes Eigentor.

  14. asylstrasse

    Worin unterscheidet sich eine militärische Überwachung eines Geländes von derjenigen, welche die Polizei während der EURO tätigen wird?

    Da wir in der Schweiz leider über keine Predator oder Reaper Combat Systeme verfügen und auch sonst die hiesigen Drohnen nicht für weitere Aufgaben ausser Recconaissance gebraucht werden können, liefern diese nichts weiter als Bilder. Bis anhin wurden diese meistens vom GWK oder irengdeinem Polizeikommando. Somit besteht der einzige militärische Sinn darin, die Bilder aus subsidiärem Anlass jemandem anders zur Verfügung zu stellen.

    Wenn also etwas lächerlich sein sollte, dann höchstens, dass die Polizeikorps nicht in der Lage sind, sich selber ein Bild von einem lokalen Geschehen zu vermitteln. Das ist tragisch, aber kaum die Schuld der Armee. Viel eher schon diejenige, vieler zu einer vernünftigen Sicherheitspolitik unfähigen Kantons-, und einer Landesregierung.


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