25. März 2008 von Echnaton - 9 Kommentare

winkelried_online.gifDas Schöne an den Zeitungen von heute war das, was nicht drinne stand. Die Printmedien verlieren immer mehr an Leser.

Heute wurden die neuen WEMF Daten publiziert. Eine Studie, die nicht auf der Auflage, sondern auf den Anzahl Lesern unserer Printmedien basiert. Und je nach Erfolg waren diese Beiträge in den entsprechenden Medien länger oder kürzer.

Sehr kurz war der Beitrag in der NZZ. Diese Zeitung ist geradezu ein Paradebeispiel, wie ein Medium in kürzester Zeit vom Qualitätsjournalismus zum Mitte-Links-Meanstream (=Käsblatt) mutieren kann. Der Einbruch hier kann als dramatisch bezeichnet werden - 5,6%.

Der ausführlichste Artikel über die neuen Zahlen schreibt der Tagesanzeiger, dessen Verlag zu den Siegern gehört. Das Gratis-Blatt 20 min hat weiter zugelegt, was generell auf die meisten Gratisblätter zutrifft. Über den Tagesanzeiger selbst ist aber nichts zu lesen.

Entsprechend schlecht geht es dem Blick. Dieses “Dreckblatt” (Zitat Blocher) rasselt weiter munter den Bach runter. Und entsprechend ist der Beitrag über die neusten Zahlen in der Zeitung: kein Wort!

Generell ist aber folgende Tendenz klar: der Printmarkt insgesamt schrumpft, der Onlinemarkt wächst. Der Leser stellt sich heute folgende Fragen:

  1. Warum soll ich für etwas bezahlen, wenn ich es gratis bekomme?
  2. Warum soll ich meine Informationen in einem Medium holen, welches heute über das Geschehen von vorgestern informiert?

Mit dem flächendeckendem Ausbau von WLan wird der Printmarkt noch weiter schrumpfen. Mit dem IPhone habt ihr wohl das falsche Produkt gehypte. Sorry my friends!

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  1. schweinsleber

    die nzz ist wirklich zu einem käseblatt verkommen.
    sie sollten sich einen namen geben.
    wie wär es denn mit Neue Zürcher Tagwache?

  2. viktor

    Unter Willy Bretscher war die NZZ eine hervorragende Zeitung:Sachliche und fundierte Berichte !Von der heutigen NZZ kann ich dies leider nicht mehr behaupten.Ich habe sie schon lange abbestellt.

    Der Beurteilung vom abgewählten BR Blocher über den Blick kann ich nur zustimmen. Würde aber zum “Dreckblatt”noch “Hetzblatt” ergänzen.

  3. Tatsache, das NZZ ist ziemlich heruntergekommen.

    Allerdings kenne ich nur die Online-Ausgabe.

  4. framei

    ob mit den Online-Ausgaben die Qualität gesteigert wird, dürfte fraglich sein, ich meine klar nein. Alles ist kurzlebig und wird erstellt nach dem Motto, wen interessiert morgen das Geschwätz von heute. Dass aber das “Geschwätz” bei Google&Co. auf ewig und immer gut verwahrt und jederzeit abrufbar bleibt, geht oft vergessen. Das Papiersammeln kommt immer mehr aus der Mode, die gebundenen Zeitungs-Stapel liegen neu auf den Servern, verteilt rund um die Welt.

    NZZ wäre doch eine Blocher-Aquise wert. Tüchtig ausmisten, die guten Journies behalten und besser bezahlen und schon wäre die SVP printtechnisch en vogue. Schwindelblätter wie Blick und Tagi dürften ruhig abdanken. 20min ist ein Beweis des abgleitenden einseitigen Journalismus, legt aber offenbar immer noch zu, da gratis. Was nichts kostet ist nichts wert.

  5. 20min hat auf jeden Fall am schnellsten die Nachrichten online.Wenn Mörgeli eine Pressekonferenz um 10 Uhr gibt, ist der Artikel um 10:35 Uhr online.
    Das geht natürlich nur auf Kosten der Qualität, das muss man sich bewusst sein, unabhängig von der Ideologie. Die Hintergründe arbeitet dann meist der Tagi auf. Das muss irgendwie die Zusammenarbeit bei TA-Media sein.
    Das ändert allerdings nichts daran, dass der ganze Verlag das Sprachrohr der SP ist, so wie früher die NZZ das Sprachrohr der FDP war … aber die hat ja nichts mehr zu sagen.

  6. PS: der Blick schrieb dann doch was, platzierte es aber nicht auf der Front, sondern irgendwo auf einer verlorenen Unterseite.

  7. Achilles

    Die Qualität der NZZ ist recht vermischt. Der Wirtschaftsteil ist gut. International werden häufig gute Artikel geboten, aber der kleingeistige Nachwuchs schwenkt auf Propaganda und Meinungsmache ein. Einer von diesen ist vau.(hat Kommunikationswissenschaften studiert, wen überrascht das?), welcher uns aus Brüssel mit Multikulti und Wunschdenken beglückt.

    Die Inlandsredaktion der NZZ ist unbrauchbar. Konsequent gelobt werden nur die Freisinnigen. Missstände in der staatlichen Verwaltung werden totgeschwiegen (staatliche Pensionskassen) oder schönfärberisch umschrieben (Monika Stocker, SKOS, Invalidenversicherung). Steuererhöhungen und Abgaben, welche den Wettbewerb zuungunsten der Konsumenten verzerren, werden gelobt (Schwerverkehrsabgabe LSVA).

    Wenn man mal einen kritischen Brief an die NZZ schreibt, verschwindet der im Kehricht und die Zuschriften auf der Homepage werden auch kräftig gefiltert, selbst wenn nichts Ehrverletzendes drinsteht. Eine Schrumpfung der Leserschaft tut der NZZ sicherlich gut.

    Blick und Tagesanzeiger bieten keine Informationen, sondern bewegen sich mit trägen Schwimmbewegungen im stinkenden Sumpf der Meinungslenkung. Karl Marx würde sie als das Opium für das Volk bezeichnen.

  8. @Achilles
    Super Kommentar.
    Sind bei der NZZ wenigstens die obligaten Sonderbeilagen im März über das Tessin noch lesenswert?

  9. Achilles

    @Kulturbereicherer
    Merci für das Kompliment.
    Bis zu den Sonderbeilagen der NZZ bin ich noch nie vorgestossen, ich bleibe immer bei “Zürich und Region” hängen.


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