5. März 2008 von Rose_Auslaender - 9 Kommentare
Der in der Türkei im Entstehen begriffene Ilisu- und Yusufli- Staudamm lässt (kurdische) Gemüter kochen, wie heute in der NZZ zu lesen ist. Offenbar wollen einige tausend Türken, welche vor der Schweizer Botschaft in Ankara gegen die Überflutung ihrer Region protestierten, in der Schweiz Asyl beantragen. Denn die Eidgenossenschaft hat einen Bürgschaftskredit gegenüber den zukünftigen Staudammbetreiber in der Höhe von 225 Millionen Schweizerfranken abgegeben und wird somit von den Demonstranten direkt für ihre Misere verantwortlich gemacht.
Prominente Unterstützung bekommen die Türken von der in der Schweizerischen Hauptstadt beheimateten “Erklärung von Bern”. So lässt deren Sprecherin Christine Eberlein verlauten, dass sie die Asylanträge unterstützen würden, denn ohne diese von der Schweiz geleistete Exportrisikogarantie würde im fernen Anatolien gar nicht gebaut werden können.
Schweizer Staudämme in Asien?
Man kann sich also fragen, warum die Schweiz einerseits irgendwo auf der Welt ein derartiges Bauprojekt unterstützt, man kann sich aber auch fragen, warum hiesige Gutmenschen gleich mit der Tür ins Haus fallen und breitgestreute und staatlich unterstützte Einwanderung fordern. Ersteres ist eine gängige Praxis um einheimischen Firmen in einer teilweise regional eher unsicheren Welt, Grossgeschäfte für Schweizer Firmen zu ermöglichen (ABB, Holcim, Nestlé, etc.), letzteres ist wieder einmal mehr eine Birnenweichheit ortsansässiger Pseudo-Gutmenschen, welche von Weltpolitik keine Ahnung haben.
Und in der Schweiz?
Bedenken wir, die Bergbauern aus Marmorera wurden vor knapp 60 Jahren auch nicht ins ferne Zürich verschifft, gleich wie die Einwohner der folgenden Ortschaften, welche allesamt einem Staudammprojekt zum Opfer gefallen sind:
- Sihlsee: Mit der Anlage des grössten Stausees der Schweiz bei Einsiedeln im Kanton Schwyz wurde 1932 begonnen. Es wurden Strassen rund um den zukünftigen See, zwei Viadukte quer darüber, eine Staumauer und zwei Abschlussdämme erstellt, bevor das Tal 1937 geflutet wurde. Dadurch sind 55 Landwirtschaftsbetriebe sowie ertragreiche Torfstiche vollständig verschwunden. 1762 Menschen mussten dem See weichen; mehrere ihrer Erwerbsgrundlage beraubte Familien wanderten in die USA aus.
- Wägitalersee: Durch den Bau einer 66 Meter hohen Staumauer von 1922 bis 1924 musste das Dorf Innerthal im Kanton Schwyz aufgegeben werden. Die Kirche wurde gesprengt. Das Badehotel, welches einen regen Bade- und Kurbetrieb ermöglichte, wurde geflutet. Das Dorf wurde am heutigen Standort neu aufgebaut.
- Lago di Vogorno: Ein Teil des Dorfs Vogorno im Verzascatal musste dem 1965 in Betrieb genommenen Stausee weichen; die Häuser wurden am Hang oberhalb des Sees neu erbaut.
- Marmorera: 1954 wurde im Kanton Graubünden der Marmorera-Stausee fertiggestellt, der das alte Dorf überflutete. Die Gebäude des alten Dorfes wurde vor der Flutung des Tals abgerissen oder gesprengt. Das neue Marmorera wurde oberhalb des Stausees und der Julierpass-Strasse gebaut, doch viele Einwohner zogen es aus wirtschaftlichen und emotionalen Beweggründen vor, in ein anderes Dorf zu ziehen.
- Göscheneralpsee: Der Staudamm im Göschener Tal bei Göschenen im Kanton Uri wurde 1960 fertiggestellt. Der Aufstau begann 1962. Die Göscheneralp, eine auch Alpdörfli oder Hinteralp genannte Dauersiedlung mit mehreren Wohnhäusern und Kirche, versank 1963 für immer in den Fluten. Rund 100 Personen mussten umgesiedelt werden. Das Dorf wurde talabwärts mit der bereits bestehenden Siedlung Gwüest zusammengelegt.
- Zervreilasee: Das Dorf Zervreila oberhalb von Vals im Kanton Graubünden wurde nach der Fertigstellung der Staumauer des Zervreilasees im Jahre 1957 überflutet. Das Dorf wurde nicht mehr neu aufgebaut, jedoch wurde das Zervreila Restaurant aus dem Holz der alten Häuser aufgebaut.
Das Mittel der Schweiz hiess also: Enteignung und zugleich Entschädigung der ihres Lebensraum beraubten Menschen. Denken wir ebenfalls daran, dass die meisten Gegenden wirtschaftlich schlecht erschlossen waren und sich deshalb über die finanzielle Abgeltung erfreuten, da darüber hinaus auch deren Wohnhäuser auf fremde Kosten neu erstellt wurden. Somit eine, neudeutsch formuliert, typische win-win Situation.
Die Türkei den Türken!
Warum dies aber für Türken nicht gelten sollte, vermag uns nicht einmal die Erklärung von Bern “erklären”. Sie behauptet lediglich, dass sich die Türkische Regierung nicht an die getroffenen Abmachungen hält. Also die Leute nicht entschädigt, aber bereits enteignet hat. Zudem wettert die Frau Eberlein im Februar-Bericht dieser ultralinken Institution darüber, dass die Türkei den letzten Biodiversitäts-Hotspot am Tigris mit dem Bau des Projekts zerstören würde. Das wäre natürlich tragisch, insbesondere wenn man sich bewusst wird, dass durch mehr Stromversorgung in Anatolien ein wirtschaftlicher Aufschwung herbeigeführt werden könnte, welcher für manchen Türken nachhaltiger wäre, als deren zu Tausenden hierzulande einzubürgern.
Damit sich jeder ein Bild über die bedrohte Region machen kann, hier nun einige Bilder:

Die Region Yusufeli, in welcher ebenfalls ein durch die Schweiz verbürgtes Staudammprojekt entstehen soll. (Im Hintergrund irgendwo der Berg Ararat, wo damals Noah seine Arche auf Grund setzte. Ob das ein schlechtes Omen war?)

Dieser Ort in der Ilisu Region könnte bestens Wasserkonserviert werden. Obwohl die Erklärung von Bern von einem archäologischen Paradies spricht, erkennt man klar, dass nicht mehr als einige baufällige Ruinen vorhanden sind, um die sich selbst kein Türke kümmert, als für die Menschheit wichtige Kulturgüter. Tonscherben und Pfahlbauten findet man nebenbei überall, das liegt so in der Natur der Vergangenheit.
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Immer mehr handelsübliche Modelle von GPS-Navigationsgeräten sind mit einem System ausgerüstet, welches die Automobilistinnen und Automobilisten mit grosser Präzision vor polizeilichen Geschwindigkeitskontrollstellen warnt. Verbinden sie ihr GPS mit einem Handy, sind die Eigentümer solcher Geräte sogar in der Lage, sich über die Zentrale eines entsprechenden Anbieters innert weniger Minuten gegenseitig vor temporären Polizeikontrollen zu warnen. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) macht Anbieter und Verkehrsteilnehmende darauf aufmerksam, dass solche Geräte den verbotenen Radarwarngeräten gleichgestellt und daher verboten sind.
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Toller Bericht!
Jetzt verstehe ich auch, warum unser Staatsfernseh ein Bericht nach dem anderen über die Menschenrechtssituation bringt. Sie bereiten das Terrain für die Asylanträge vor.
Würde irgendwo im Ausland die schweizerische Asylpraxis gelten, bekämen wir dort sicher Asyl.
Die Asylkommission wird dies sicherlich als kreative Idee sofort aufgreifen. Wenn ein schwarzer Afrikaner sein nacktes Hinterteil anderen Leuten hinhält, dann wird dies inzwischen auch als politische Tätigkeit anerkannt, die zur Asylberechtigung führt. Die Stadtbasler haben sicher Interesse, noch einige Kurdenstämme innerhalb ihrer Stadtmauern anzusiedeln. Dies gibt weitere Arbeitsplätze im Sozialgewerbe und steigert das Wirtschaftswachstum ins Unermessliche.
Bleiben wir bei den Fakten: Die Schweiz unterstützt die Türkei in einem Projekt, das so in der Schweiz niemals durchgeführt werden könnte. Die Türkei vertreibt 43.000 Kurden ohne genügende Entschädigung und die Schweizer Firmen profitieren davon. Der Schweizer Steuerzahler übernimmt die Exportrisikogarantie für dieses schmutzige Geschäft.
Neben allen anderen Kritikpunkten am Projekt (Hasankeyf ist nicht ein paar Scherben, ökologische Probleme sind ungelöst, Wassermangel im Irak und ein entsprechender Konflikt ist vorprogrammiert) wäre es das allermindeste, dass die sozialen Standards eingehalten werden. Wenn die Schweiz denkt, sie könne sich aus der Verantwortung ziehen, täuscht sie sich.
Wenn die Schweiz verhindern will, dass die Kurden in die Schweiz kommen, soll sie sie richtig entschädigen oder dafür sorgen, dass die Türkei sie richtig entschädigt.
@David
Deine Argumentationskette ist doch völlig absurd. Als Steuerzahler habe ich weder diese Exportrisikogarantie bewilligt noch bekomme ich etwas vom Gewinn dieser Firmen zu sehen. Du sagst doch praktisch, dass ich erst mal ungefragt Geschäftsrisiken Anderer übernehmen muss, dann in einem fremden Land etwas durchsetzen soll, was mich nichts angeht und dann am Schluss noch die Sozialhilfe für Kurden zahlen soll.
Hoffen wir bloss dass sie noch lange nicht der EU beitreten.
Durch Einbürgerungen im EU Raum hätten wor sie schneller im Hause als wir uns wünschen.
Doch dank SSp, Grüne und Cvp wird es auch nicht all zu lange dauern bis wir der unheimliche “Bereicherung” ausgesezt werden.
hoi david, ich wusste gar nicht, dass wasserkraft schmutziges geschäft ist… und von wegen soziale standards, halte dich mal zurück mit deinem moral-imperialismus. wenn die amis vom sudan über die v.a.e nach kuweit und irak auch dein öl sichern, dann heulst du. aber wenn es darum geht einem voll entwickelten land deine wertvorstellung von gutmenschlicher korrektheit aufzustempeln kommst du, wie immer, gerade geschliffen.
dass darüber hinaus die serv nur an “produkte” vergeben wird die hohen moralischen ansprüchen gerecht wird (nach eigendeklaration des bundes), scheinst du zu vergessen.
es ist wie immer: wenn irgendwo geld im spiel ist entwickeln sich linke gutmenschen ungefragt zu robin hoods der leidtragenden. kannst ja mal deine österreichischen antistaudamm-kameraden fragen, woher sie demnächst ihr erdgas beziehen werden. und ja gleich mit denen mitdemonstrieren, wenn dereinst die türken wegen der fehlenden westlichen exportrisiko-unterstützung (deutschland, schweiz, österreich) beim staudammbau, der nabucco-pipeline den gashahn abdrehen.
Nein, leider vergessen die Bürgerlichen jegliche moralische Bedenken, wenn es darum geht, Geld zu verdienen. Egal, ob es um überrissene Staudammprojekte in China oder der Türkei oder um Flugzeug- oder Kriegmaterialexporte geht.
Die EvB hat sich vehement dagegen eingesetzt, dass wir Steuerzahler nicht die Exportrisikogarantie für solche zwielichtigen Geschäfte übernehmen müssen. Leider hat die bürgerliche Mehrheit mit Blocher anders entschieden.
In der Schweiz hätte die lokale Bevölkerung Mitspracherecht. In der Türkei entscheidet Ankara über die “Umsiedlung” (korrekter: Vertreibung) von 43′000 Personen einer ethnischen, unterdrückten Minderheit.
Wenn die Schweiz so etwas unterstützt, ist sie dann neutral?
das seco, wo früher die exportrisikogarantie angesiedelt war, bevor sie öffentlich-rechtlich wurde, ist in leuthards evd daheim. was das mit blocher zu tun hat ist mir schon noch schleierhaft. wegen den moralischen bedenken, mit deinem sozio-ökonomischen ansatz der konfliktlösung wird auch niemandem geholfen. ja, dass die türken nicht mitreden können ist nicht mein problem. insbesondere unter anbetracht der umstände, dass sie sich sogar einen islamistischen präsidenten wählen, erst recht nicht. staatliche systeme verändern sich nur durch revolutionen, das ist aber nicht der schweiz ihr problem. und die letzte frage ist etwa gleich bescheuert, wie zu fragen, ob österreich neutral ist, wenn es türkisches gas bezieht und an die schweiz weiterverkauft.
http://tagesanzeiger.ch/dyn/ne.....51633.html