16. Januar 2008 von David Frankfurter - 2 Kommentare
Seit Wochen erschüttert die sogenannte Hypothekenkrise die Bankenlandschaft weltweit. Für viele Anleger schien sie aus dem Nichts zu kommen, überraschte sie in den Ferien und löste zunächst Ratlosigkeit aus. Sinkende Immobilienpreise und deren problematische Finanzierung zur Konsumförderung schlagen bereits jetzt zu Buche.
Überraschend ist, dass es nun auch die Schweiz so deutlich trifft. Das Land hat im Ausland mit dem Auschluss der SVP aus der Regierung viel Vertrauen verloren und ist nicht mehr der “save haven”. Darüber berichten schw. Medien natürlich nicht. Erinnern wir uns aber noch an das Geschrei, welches sie wegen dem Schaf inszinierten, um die SVP zu disreditieren. Auslöser der Krise sind:
1. Gestiegene Zinsen in den USA, welche wegen üblich variabler Zinsen zu gestiegenen Finanzierungskosten führten und
2. gesunkene Immobilienpreise, mit denen die Kredite abgesichert wurden. Daraus resultierten etwa 180′000 Konkurse 2006, mehr als hundert zusammengebrochene Banken (2007) in den USA und - zusätzlich durch Zwangsversteigerungen genährt - weiter fallende Immobilienpreise.
Notverkäufe und Notkredite
Ein US-spezifisches Problem ist, dass für Hypotheken meist kein Zinssatz über die gesamte Laufzeit fixiert wird, sondern an die FED-Zinsrate - mit entsprechendem persönlichen Risikoaufschlag - gekoppelt und damit variabel vereinbart werden. Was bei sinkenden Zinsen vorteilhaft war, ist bei nun steigenden Zinsen entsprechend riskant. Weil sich die Zinsen seit 2005 in den USA fast verdoppelt haben, viele Hausbesitzer marginal - also so weit wie möglich -finanziert sind und die monatlichen Ratenkredite für Fernseher, Auto u.a. gerade so eben bedient werden konnten, überfordern jetzt gestiegene Finanzierungsausgaben sowie gestiegene Lebenshaltungskosten die Kreditnehmer. Kredite können oft nicht mehr ordentlich bedient werden. Banken befürchten Kreditausfälle und der übliche Kreislauf über Notverkäufe, Notkredite bis zur Zwangsversteigerung der Immobilien setzte ein. Nicht selten bleibt ein Schuldenberg übrig, weil Immobilien bis zu 120 Prozent des Marktwertes beliehen werden durften.
Diese eigentlich amerikanische Krise schwappte auf Europa über, weil besonders skrupellose Banken ihren amerikanischen Kollegen dabei halfen, die als verbriefte Hypothekendarlehen handelbaren Risiken europäischen Banken wie der Mittelstandsbank IKB anzudrehen. Dabei verdienten sie kräftig an Provisionen. Das eigentliche Problem liegt aber darin, dass die US-Finanzindustrie auf diesem jahrelang erzeugten Bluff basiert, welcher nun scheibchenweise auffliegt.
Zur Zeit können wir folgende Entwicklung feststellen:
Ein kleiner Teil der Basis, auf denen die Schulden fussen, nämlich Immobiliendarlehen, musste ausgebucht werden, weil der Schuldner Konkurs ist, auch in Zukunft keine Tilgung mehr erwarten lässt und die Zwangsversteigerung seiner Immobilie nur einen Teil der Schulden einbringt.
Kettenreaktion
Die Hypothekendarlehen wurden aber mehrfach, zum Teil über Fonds, weitergereicht, wobei jeder in der Kette davon ausging, Schulden nebst Zinsen zu erhalten. Einige der Zwischenhändler dieser Kredite, wie z.B. die Hypothekenbanken, haben sogar Garantien gegeben, haften also bei Ausfall. So liegen Problemkredite heute nicht mehr bei den Banken selbst, sondern bei Fonds, die wiederum Bestandteil von Dachfonds sind usw. Deshalb werden auch Fonds teilweise oder ganz ausgebucht werden müssen. Wie bei einem Wechsel haftet nun der “stärkste” in der Kette, wenn der ursprüngliche Schuldner wegfällt. Fast alle in der Kette haben die Kredite nicht mit eigenem sondern hauptsächlich ebenfalls mit geliehenen Geldern vergeben. Deshalb kommen als Kettenreaktion auch diejenigen in Schwierigkeiten, bei denen diese Schulden als Haftungsbasis für eigene Kredite dienen und deren Wegfall nicht durch Eigenkapital oder Gewinne andererseits ausgeglichen werden kann.
In den USA sind bereits mehr als hundert Banken durch überschuldete Schuldner selbst zusammengebrochen. Damit fällt ein frühes Glied in der Kette der Zwischenschuldner aus. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis alle weiteren Gläubiger in der Kette diese Forderungen ausbuchen müssen. Allerdings ist, wie beim Wechsel üblich, nun jeder Zwischenschuldner potentiell haftbar.
Wechselkursriskante Geschäfte
Um die eigene Gewinnspanne zu erhöhen, kauften Banken Forderungen mit hohem Marktzins und refinanzierten sich in Japan zu null Prozent Zinsen. Mit dem Kursrisiko wurde dann zusätzlich spekuliert, indem die Banken auf sinkenden Yen setzten und ihre Rückzahlungsverpflichtung in Dollar gerechnet sank. Diese Geschäfte werden “carry trades” genannt. Eine Weile gingen diese Wechselkurs Spekulationen auf, bis der Yen wieder stieg. Daraufhin fangen jetzt mehrere Banken an, diese wechselkursriskanten Geschäfte abzuwickeln. Dabei treiben sie den Wechselkurs des Yen weiter an, so dass bei immer weiteren dieser Geschäfte Schadensbegrenzung betrieben werden muss. Einige Spekulanten sind bereits dabei, diese Fremdwährungskredite in andere Währungsräume umzuschulden. Der grösste Teil dieser Fremdwährungskredite ist nach wie vor im Markt und entsprechendes Risiko für die Finanzinstitute.
Viele Banken glaubten, durch Hedgegeschäfte das Wechselkurs- und auch Zinsrisiko weiterreichen zu können. Darauf können sie aber nur solange hoffen, wie der Gegenpart seinen Teil der Absicherung einhält bzw. einhalten kann. Angesichts der gigantischen, gehedgten Beträge sollte dies mit gesunder Skepsis gesehen werden.
Offensichtlich ist der Abwertungsbedarf noch um einiges höher als bislang ausgebucht wurde. Bei den Banken haben sich ausserdem risikobehaftete Firmenanleihen bzw. -kredite in Höhe von ca. 320 Milliarden US-Dollar angehäuft. Um eine Kettenreaktion zu verhindern, versuchten die US-Banken einen Notfallfond über hundert Milliarden US-Dollar einzurichten, um einerseits ihre Fehlspekulationen von den solideren Kollegen mitfinanzieren zu lassen und andererseits eine Kettenreaktion von Firmenzusammenbrüchen zu verhindern, wenn diese nämlich keine Anschlussfinanzierung bekommen. Die Begeisterung bei den Kollegen hält sich aber derart in Grenzen, dass für den Fonds wohl nur achtzig Milliarden US-Dollar zusammen kommen.
Die Hypothekenkrise ist also nur der Anfang von einer vorübergehenden Kreditkorrektur, deren Ausmass selbst von Insidern nicht genau abschätzbar ist. Es scheint aber wahrscheinlich zu sein, dass weitere Korrekturen im Markt der Schulden und Anleihen noch ausstehen.
Folgerungen
- Die letzte Zinssenkung in den USA diente dazu, den Zins-spekulanten und Eigentümerbanken der FED etwas “Luft” zu verschaffen. Ob darauf noch eine Zinssenkung erfolgt, hängt von der Not der Spekulanten ab, sollte aber nicht als sicher angenommen werden. Die EZB würde ebenfalls gerne die Zinsen senken. Zudem drängen der französische Präsident Sarkozy und andere - den FED-Eigentümern offensichtlich Verpflichtete - darauf, um so dem Dollar auf Eurokosten zu helfen. Eine Zinssenkung im Euroraum gibt der Markt aber wohl schwer her, ohne die Preis Stabilität zu ruinieren. Inflation wird wahrscheinlich schon 2008 wieder thematisiert werden müssen, so dass wir dann erheblich steigende Zinsen sehen könnten.
- Sollte die EZB aus Inflationsgründen - die zwar noch nicht thematisiert aber bereits vorhanden sind - die Zinsen anheben müssen, werden viele Anlagen neu bewertet. Dies dürfte zu fallenden Preisen führen. Einige von denen, die sich maximal verschuldeten, könnten dabei sogar in Existenzgefahr kommen. Dies gilt insbesondere für marginal (bis an den Rand) finanzierte Immobilienfonds etc.
- Nach einer technischen Zwischenerholung des Dollars wird dieser höchstwahrscheinlich seinen Abwertungskurs “in geordneten Bahnen” fortsetzen. Das neue Wechselkursniveau Euro zu Dollar ist noch nicht erreicht. Der Dollar hat weiteren Abwertungsbedarf.
Volatile Rohstoffmärkte
In dieser Zeit dürften die Rohstoffmärkte besonders volatil werden. Diese Preisschwankungen werden getrieben von Rezessionsängsten nach unten und Inflationssorgen nach oben. Man wird sicherlich vermehrt mit diesen psychologischen Tricks spielen. Langfristig dürften sich jedoch die Inflationssorgen durchsetzen und zu weiter ansteigenden Notierungen sorgen. Dabei sind besonders Gold, Silber und Öl interessant und bergen besondere Potentiale.
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die Schuld in dieser Beziehung den Linken zuzuschieben wäre etwas einfach gedacht. Nein es sind vor allem die obersten Bankenbosse die für dieses Desaster verantwortlich sind. Diese haben noch nicht mal soviel Anstand, ihren Hut selber zu nehmen. Man wolle das sinkende Boot nicht verlassen, argumentierte der Eine oder Andere. Durch Kapitalerhöhungen sollen die bereits stark gebeutelten Aktionäre die drohende Liquiditätskrise natürlich zum Nulltarif für die Banken, auch noch übernehmen. Eine Frechheit wie ich meine.
Pfuipfuipfui! Einfach Benutzerkommentare löschen, um eigene Fehler nicht zugeben zu müssen? Pfuipfuipfui!