4. Oktober 2007 von Echnaton - Noch kein Kommentar

Von Bagdad nach Damaskus?

Araber aus Saudi und Kuweit vergnügen sich wochenlang in syrischen Clubs in Damaskus bei Whiskey und minderjährigen Mädchen aus dem Irak. Die Mütter dirigieren ihre Töchter im Club an die Habibis, die Freier, die eigenen Väter fahren sie danach zum Kunden. Kopftuch oder gar Schleier tragen die Mädchen in den Etablissements namens “Gazelle”, “Schönheit” oder “Mädchentanz” natürlich nicht. Ein paar Auszüge aus einem ganz langen Artikel der FAZ-Beilage heute:

… Einige der saudischen Gäste beginnen auf den Tischen zu tanzen. Es sind ausschließlich Männer. Alle diese Männer tragen stark gegelte Frisuren und blütenweiße Dschalabiyas, die traditionellen bodenlangen Männerkleider. Auf den Tischen steht teurer Importwhiskey. Bunte Lichter kreisen über die Tanzfläche. Und dort, unter den bunten Lichtern, tanzen junge Mädchen. Sie sind aufreizend zurechtgemacht und kommen aus dem Irak, manche von ihnen sind nicht älter als zwölf Jahre.
Bündelweise schmeißen die Männer schmutziges, altes Spielgeld auf die Tanzfläche, ein Saudi trifft eines der Mädchen mit einem Bündel am Kopf und wird von seinen Freunden für den guten Wurf beglückwünscht. Ein anderer Mann stampft im Takt der Trommel auf dem Tisch und verbrennt Dollarnoten. Mit einem dieser verbrannten Dollar könnte ein irakischer Flüchtling in Syrien über den Tag kommen, für eines der tanzenden Mädchen, oft sind sie die Alleinernährer ihrer Familie, bedeutet ein Dollar: anderthalb Kilo Brot. Oder fünf Liter Trinkwasser…

… Als Gazelle tanzt Rashida aus Baghdad vor den Kunden, so lange, bis einer sie will. Fünfhundert syrische Pfund kostet eine Nacht mit einem minderjährigen Flüchtlingsmädchen derzeit in Damaskus: sieben Euro zwanzig…

… Zunächst half Erspartes, der Verkauf von Hab und Gut, Geld, das auf der Flucht und während der ersten Monate in Damaskus zwischen den Fingern zerrann. Die Miete für die Wohnung in Damaskus kostet rund 440 Euro monatlich, also müsste Rashida sechzig Nächte arbeiten, wäre sie Alleinverdienerin. Doch zum Glück, sagt die Mutter, arbeitet auch ihre dreizehnjährige Schwester in der “Gazelle”. Nadya ist ebenso aufwendig und dunkel geschminkt wie Rashida. Wenn die beiden Teenies denn jede Nacht einen Freier fänden, könnten ihre Körper zumindest für das Dach über dem Kopf der siebenköpfigen Familie sorgen. Doch das Angebot an Sexarbeiterinnen ist mittlerweile übergroß, es gibt Hunderte Clubs wie die “Gazelle”, mit dreißig bis fünfzig Mädchen pro Club, und nicht jedes schafft es jede Nacht, sich zu verkaufen…

… Die Mädchengruppe besteigt die runde Bühne. Rashida, Nadya und die anderen reihen sich bei ihren Leidensgenossinnen ein, die schon auf dieser Zirkusmanege ihre Kreise ziehen, so geht es die ganze Nacht, wie auf dem Viehmarkt drehen sie ihre Runden. Und zeigt eines der Mädchen Unlust, wird es mit Stockschlägen weitergetrieben. Zweierpaare, Vierergruppen, Fünfergruppen verkrampfen ihre Finger ineinander, so schreiten die Mädchen auf den ungewohnten Absätzen an ihren Kunden vorbei. Auf Kommando der Männerstimme, sie gehört dem “Manager”, lösen sich die Freundinnen und Schwestern voneinander. Sie stellen sich entlang des Bühnenrandes auf. Das grelle Licht gibt bei vielen Verletzungen preis, nur wenige Mädchen machen sich die Mühe, ihre zerschnittenen Arme, ihre Zigarettenbrandwunden, die blauen Flecken und die Knutschflecken zu überdecken.

Manche von ihnen tragen auch tätowierte und übertätowierte Schriftzüge, andere wiederum gezielt geschnittene, zwei- und dreireihige Narben an den Oberarmen. Fragt man sie, woher die Verletzungen stammen, antworten die Mädchen, dass sie sich selbst verletzt hätten - oder aber, dass es ein “Habibi” war, ein “Liebling” also, ein Kunde, der sie mißhandelt hat. Die Mädchen kommentieren das mit Schulterzucken und schauen aus traurigen Kinderaugen unter dick getuschten Wimpern. Keines der Mädchen würde zugeben, von einer irakischen Schlepperbande entführt und verkauft worden zu sein, keines würde zugeben, von seinen Eltern an mafiose Zuhälter verkauft worden zu sein, keines würde zugeben, dass seine Eltern es zwingen, den Familienunterhalt zu sichern. Da es offiziell keine Prostitution in Syrien gibt, suchen die Mädchen nur einen “Habibi”, und sei es nur für eine Nacht, für sieben Euro zwanzig…

… Die Mütter, die im hinteren Teil des Clubs sitzen, tragen allesamt Kopftuch und rauchen Kette wie die Väter, die auf dem Parkplatz vor dem Nachtclub warten. Als Muslima ist es verboten zu rauchen und verpönt in der Öffentlichkeit; fast nie sieht man Frauen mit Kopftuch auf den Straßen Arabiens mit Zigaretten. Die Mütter hier aber scheinen mit ihrem Leben, mit ihrem Ruf, ihrer Ehre, mit all dem, was einst ihren Stolz, ihren Glauben ausmachte, abgeschlossen zu haben. Mit versteinerten Gesichtern starren sie auf die Tanzfläche, beobachten die Männer und signalisieren ihren Töchtern mit Laserpointern, welcher Gast ein Auge auf sie geworfen hat…

… Die kleineren Schwestern sind bei den Müttern im Club. Sie laufen von Tisch zu Tisch und betteln um Geld. Auch die Vier- bis Sechsjährigen sind so aufreizend zurechtgemacht, dass man sich Weiteres nicht vorstellen möchte…

… Mishal ist einer dieser Männer. Der 21-Jährige, der bei der kuweitischen Armee angestellt ist, hat sich mit acht Cousins und Freunden eine Villa in Damaskus gemietet. “Den ganzen August lang können wir uns vergnügen!”, ruft er lachend und offenbar auch stolz. “Wirklich jede Nacht” käme er hierher, und dank der billigen Preise könnten er und seine Freunde allnächtlich zwei oder drei Mädchen - “pro Mann, natürlich!” - mitnehmen. Er versuche zwar, so erzählt Mishal weiter, ein guter Muslim zu sein, seine Clique trinkt als eine der wenigen im Club keinen Alkohol…

Quelle: Fakten/Fiktionen

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