Die Schweiz aus konservativer Sicht  

24. August 2007 von Winkelried

Strasser trat 1925 in die NSDAP ein und baute mit seinem Bruder Gregor Strasser und Joseph Goebbels einen “linken”, d.h. sozialrevolutionären Flügel auf:strassot.jpg

Die Gebrüder Strasser beherrschten die Berliner Parteiorganisation und entwickelten ein eigenständiges ideologisches Profil gegenüber dem süddeutschen Parteiflügel um Adolf Hitler. Sie verfochten – zunächst gemeinsam mit Goebbels, dem engen Mitarbeiter Gregor Strassers im Rheinland und in Westfalen – einen „linken“, d.h. antikapitalistischen, sozialrevolutionären Kurs der NSDAP. Dieser unterstützte teilweise Streiks der sozialdemokratischen Gewerkschaften und trat für eine Anlehnung Deutschlands an die Sowjetunion ein. Gleichzeitig war er stark antisemitisch und antimarxistisch geprägt. Mit der im September 1925 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Nordwest“, einem Zusammenschluss der nord- und westdeutschen Gauleiter der NSDAP unter seiner Leitung (Geschäftsführer war Joseph Goebbels), hatte Gregor Strasser zunächst ein Instrument zur Durchsetzung der sozial- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen des linken NSDAP-Flügels geschaffen.

Am 1. März 1926 gründeten die Gebrüder die Kampf-Verlag GmbH. Dieser Verlag war das publizistische Sprachrohr des linken Flügels der NSDAP. Auf Hitlers Angebot vom 22. Mai 1930, den Verlag für 120.000 Reichsmark zu kaufen, ging Otto Strasser nicht ein. Infolge des Richtungskampfes in der NSDAP tritt er am 4. Juli 1930 aus der Partei aus. Zeitgleich erschien die Kampfschrift “Die Sozialisten verlassen die NSDAP” (am 04.07.1930 im Kampf Verlag). Nach seinem Parteiausschluss nutzte er den Verlag als Sprachrohr der Schwarzen Front, der sogenannten “Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten”.

Wegen der zunehmenden Bedeutungslosigkeit der Strasserschen Publikationen musste der Verlag am 1. Oktober 1930 geschlossen werden. Es folgten mehrere Versuche, neue Publikationen unter anderem Namen zu gründen und zu vermarkten (“Der Nationale Sozialist”, “Die Deutsche Revolution”, “Die Schwarze Front”). Sie alle blieben politisch gesehen ohne jede Wirkung. Die Blätter erreichten nie mehr als 10.000 Abnehmer, trotz der Unterstützung anderer rechter Splittergruppen.

Nach der Machtergreifung 1933 emigrierte Strasser zunächst nach Österreich, später wechselte er in die Schweiz und nach Portugal. 1943 wanderte er nach Kanada aus. Aus der Emigration heraus griff er in vielen Publikationen in Form von Büchern, Zeitschriften, Handzetteln und Flugblättern die Herrschaft der NSDAP in Deutschland an. Dabei setzte er auf die Doppelstrategie, einerseits im Ausland Aufklärung über Hitlers Person, Herrschaftspraxis und politische Zielsetzung zu betreiben (so unterstützte Otto Strasser amerikanische Geheimdienste bei der Erstellung eines Psychogramms von Hitler) und andererseits subversives Material in das Reich selbst zu schmuggeln. Weiterhin vertrat er das politische Leitbild eines Sozialismus auf deutscher Basis (siehe seine Schrift “Aufbau des deutschen Sozialismus“, 1932 veröffentlicht und 1936 ergänzt) und warf Hitler zunächst den Verrat an der eigentlichen nationalsozialistischen Ideologie, später auch die vielen Morde – vor allem aber den an seinem Bruder Gregor – im Rahmen des Röhm-Putsches vor. Strasser sah Thomas Masaryk als tschechischen Ur-Nationalsozialisten und hat darüber auch das Buch “Europa von Morgen” verfasst, erschienen 1939 im Schweizer Exil. Motto von Masaryk war “Jesus nicht Cäsar”, was Otto Strasser als Christen persönlich zusagte. 1938 im Jahr der Reichskristallnacht veröffentlichte Otto Strasser mit dem Weltbühne-Autor Kurt Hiller die “Prager Erklärung”, ein nationalrevolutionäres Manifest, das sich gegen den Hitler-Staat und für ein neues Deutschland aussprach. Nach dem Krieg veröffentlichte Strasser 1948 unter dem Titel Hitler und ich seine Erinnerungen an die parteiinternen Flügelkämpfe vor 1933 auch in Deutsch, nachdem er sie ursprünglich in französisch abgefasst und 1940 als “Hitler et moi” beim Verlag Grasset in Paris herausgebracht hatte. Erst eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ermöglichte ihm 1955 die schon früher angestrebte, bis dahin aber verweigerte Rückkehr nach Deutschland. Versuche einer erneuten politischen Betätigung, wie 1956 mit der Partei „Deutsch-Soziale Union“, blieben erfolglos. 1962 schrieb Otto Strasser eine Zusammenfassung seiner politischen Tätigkeit: Der Faschismus. In diesem Buch skizzierte Strasser die Weltanschauung Hitlers und Mussolinis, und brach seinen eigenen Sozialismus aus der Konkursmasse des Faschismus heraus. Karl Otto Paetel, Louis Dupeux und Erich Müller beschrieben Strasser als Teil der Nationalbolschewisten. Der russische Nationalbolschewist Eduard Limonow soll sich auf Thesen der Gebrüder Strasser und auf Ulrike Marie Meinhof berufen.

Otto Strasser zog sich bis zu seinem Tod 1974 ins Privatleben zurück. Er heiratete 1969 ein letztes Mal, veröffentlichte ein Buch beim linken Heinrich Heine Verlag (Reihe: Streit-Zeit-Bücher, Vorwort: Gerhard Zwerenz). Das Buch trug den bezeichneten Titel “Mein Kampf”, enthielt aber keine Hitler-Biographie, sondern eine vom Verlag überarbeitete Fassung des 1958 im Selbstverlag erschienenen Strasser-Buches Exil. Interessant ist das im Vorwort des Buches auch auf die Prager Erklärung verwiesen wird und Otto Strasser im Bund mit Kurt Hiller (Co-Autor der Prager Erklärung) bescheinigt bekommt, am anti-faschistischen Kampf mitgewirkt zuhaben, zusammen mit der Schwarzen Front. Dieses Thema wurde vom Junge Freiheit-Autor Claus Wolfschlag, im Buch Hitlers rechte Gegner, (1995), wiederaufgegriffen. Hier ging es um das Porträt rechter oder linker Nationalisten, die sich einig waren in der Ablehnung des Hitlerfaschismus. Für den frühen Henning Eichberg war Otto Strasser ein wichtiger Autor. Eichberg trat 1956, im Alter von 14 Jahren, der Strasserschen DSU bei.

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